Die Dunkelziffer liege jedoch vermutlich deutlich höher.

In den Akten des LKA tauchten die Hells Angels und Bandidos mit ihren Unterstützer-Clubs vornehmlich wegen Schutzgelderpressung, Drogenhandels, Zuhälterei und Verstößen gegen das Waffengesetz auf. Neue Anhänger rekrutierten sie in jüngster Zeit besonders aus der Hooligan-Szene, gewaltbereiten rechtsextremistischen Kreisen und Migrantengruppen. ,,Viele der erkannten Straftaten finden in einem Milieu statt, zu dem der Normalbürger keinen Bezug hat", sagte Schulter. Trotzdem sei es nicht auszuschließen, dass Unbeteiligte bei den immer wieder ausbrechenden Macht- und Revierkämpfen verletzt würden.

Eine Schießerei in Hennigsdorf (Oberhavel) auf offener Straße war beispielsweise Teil der Machtkämpfe zwischen Bandidos und den Red Devils, die als Unterstützer der Hells Angels gelten. Rocker drängten zudem vermehrt in die Türsteherszene und zwängen Betreibern von Bars und Diskotheken ihre Dienste auf, so Schulter.

Im Zeitraum 2000 bis 2009 verzeichnete das LKA Brandenburg einen starken Anstieg der Mitgliederzahlen bei den stärksten Rockergruppen Bandidos, Hells Angels und Gremium MC. Danach sank die Zahl wieder etwas durch das Verbot des Chicanos MC in Eberswalde (Barnim) sowie infolge der Abwanderung einzelner Gruppierungen nach Sachsen und Berlin. Bandidos und Hells Angels haben im Land unter anderem Stützpunkte in Potsdam, Cottbus, Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) und Perleberg (Prignitz).

Der rechtspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Danny Eichelbaum, betonte am Mittwoch: Wenn polizeiliche Mittel bisher nicht ausgereicht hätten, die Rocker-Kriminalität zurückzudrängen, müsse über ein Verbot krimineller Rocker-Banden nachgedacht werden. Es könne nicht sein, dass diese einen Staat im Staate bilden.