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LKA Bayern: Für Spurensicherung gelten bundesweite Standards

Mark Benecke ist Kriminalbiologe und bekannt für seine Forschungen zur Leichenbesiedlung durch Insekten.
Mark Benecke ist Kriminalbiologe und bekannt für seine Forschungen zur Leichenbesiedlung durch Insekten. FOTO: dpa
München. Haben wirklich Tatortermittler im Fall Peggy/NSU eine verunreinigte Spur ins Spiel gebracht? Das würde bedeuten, dass bundesweite Regeln verletzt wurden. dpa/bl

Ein möglicher Ermittlungsfehler im Fall der getöteten Peggy mit der DNA des Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt wäre ein Verstoß gegen bundesweite Standards. Für die Spurensicherung der Polizei gelten nach Auskunft des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) deutschlandweit einheitliche Regeln. Die Ermittlungen zur möglichen Verbindung der beiden Fälle werden nach Angaben der Behörden noch einige Zeit brauchen, bekräftigte gestern die Staatsanwaltschaft in Bayreuth. In Thüringen verweisen die Ermittler dabei auf das eigene Qualitätsmanagement, während aus Expertensicht auch Sparmaßnahmen die Fehlergefahr bei der Polizeiarbeit erhöhen.

Nach der Entdeckung einer DNA-Spur des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort von Peggy hatten die Behörden am Donnerstag mögliche Hinweise auf eine eventuelle Verunreinigung eingeräumt. Dem bayerischen LKA zufolge müssen Spurenexperten aber vor allem bei der Sicherung von sogenannten Mikrospuren - also DNA, Fasern, Staub oder Schmauchspuren - Standards beachten. Dazu gehört auch, die Einsatzmittel und Arbeitsbereiche zu reinigen.

Außerdem sei die Zahl der Menschen am Tatort zu begrenzen und die Schutzausrüstung in kontaminationssicheren Behältnissen aufzubewahren. Die Ermittler hätten DNA-freie oder zumindest verunreinigungsgeschützte Materialien zu verwenden. Wenn erforderlich, müssten sie Schutzkleidung tragen. Spurenträger und gesicherte Spuren müssten voneinander getrennt werden - ebenso von verunreinigten Flächen, Gegenständen und Vergleichsmaterial. Auch Tatverdächtige, Opfer und Zeugen sind dem LKA-Sprecher zufolge voneinander zu trennen.

Der Kriminalbiologe Mark Benecke erklärte indes, ein möglicher Ermittlungsfehler könnte an Geldmangel liegen. "Viele Landeskriminalämter haben eben nicht viel Geld, weil die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen eben nicht so hohe Steuern zahlen wollen." Unter hohem finanziellen Druck könne es Sparmaßnahmen oder Personalmangel geben. Dann steige die Fehleranfälligkeit.