Ernst, der die Partei seit eineinhalb Jahren zusammen mit Gesine Lötzsch führt, hielt sich noch bedeckt. Er will so lange wie möglich mit seiner Entscheidung über eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit warten.

Lötzsch hatte bereits erklärt, dass sie erneut antreten will. Die Linke wählt nach jetziger Planung im Juni 2012 auf einem Parteitag in Göttingen einen neuen Vorstand, der wieder von einer Doppelspitze mit einem Mann und einer Frau angeführt werden wird. Es gibt aber die Bestrebung, vorher einen Mitgliederentscheid anzusetzen.

Bartsch sprach sich dafür aus. „Wer an der Spitze der Partei steht, braucht starken Rückhalt“, sagte er. Ernst hatte ursprünglich auch für eine Mitgliederbefragung plädiert, ist angesichts des Widerstands einzelner Landesverbände inzwischen aber skeptisch. Die Entscheidung fällt wahrscheinlich Mitte Dezember bei einem Treffen der Landes- und Fraktionschefs der Linken im thüringischen Elgersburg.

Bartsch sagte, er gehe von weiteren Kandidaten aus, nannte aber keine Namen. Gehandelt wird die Vizeparteichefin Sahra Wagenknecht, die erst Anfang November zusätzlich zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Bundestag gewählt wurde. Wagenknecht ist die Lebensgefährtin des immer noch mächtigen Ex-Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine, der als Bartsch-Gegner gilt.

Eine Präferenz für eine Co-Vorsitzende nannte Bartsch nicht, auch der Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit mit der bisher einzigen Kandidatin Lötzsch wich er aus. „Wenn die Kandidatenlage klar ist, werde ich mich auch dazu äußern.“

Bartsch war zwischen 1997 und 2010 Bundesgeschäftsführer zunächst der PDS und später der Linkspartei. Im Januar 2010 kam es zum Zerwürfnis mit Lafontaine, der Bartsch eine gezielte Intrige gegen ihn vorwarf.

Bartsch kandidierte daraufhin nicht wieder für den Geschäftsführerposten. Vor drei Wochen wurde er als stellvertretender Fraktionschef im Bundestag wiedergewählt.

Der gebürtige Stralsunder gilt als einer der erfahrensten Parteistrategen und zählt zu den Pragmatikern, die Regierungsverantwortung anstreben. Ernst sagte, er sei für einen möglichst kurzen Wahlkampf. Deswegen wolle er sich jetzt noch nicht erklären. „Ich sehe sechs Monate vor dem Parteitag wirklich keine Veranlassung, mich zu äußern“, sagte der Politiker.