So ganz ist Oskar Lafontaine nie aus der Bundespolitik verschwunden. Der 68-Jährige hat zwar seit geraumer Zeit weder einen Sitz im Bundestag noch einen Schreibtisch in der Berliner Parteizentrale. Ein Bundesposten ist ihm mit der Leitung der internationalen Kommission der Partei aber immerhin geblieben.

Seine Bedeutung für die Linke geht aber weit darüber hinaus. Viele sehnen sich schon lange nach dem Gründungsvater der 2007 aus westdeutscher WASG und ostdeutscher Linker fusionierten Partei zurück. Im April brachte bereits Fraktionschef Gregor Gysi Lafontaine als Retter in einer nicht näher definierten „Notsituation“ ins Gespräch. Jetzt wird der saarländische Fraktionschef von mehreren Spitzengenossen ganz offen als Linke-Kandidat für die Bundestagswahl 2013 gehandelt.

Lafontaine steht für die guten alten Zeiten, in denen die Linke bei jeder Wahl hinzugewann und auf Bundesebene 2009 ein Rekordergebnis von 11,9 Prozent erzielte. Nach dem Abgang des Gründungsvaters der gesamtdeutschen Partei ging es nur noch bergab. Die Partei verstrickte sich in Flügelkämpfe, die Umfragewerte sackten auf sieben bis acht Prozent ab, Landtagswahlen gingen verloren.

Überforderte Doppelspitze Das Führungsduo Klaus Ernst und Gesine Lötzsch war mit dem schweren Lafontaine-Erbe heillos überfordert. Kein Wunder also, dass der Ruf nach einer Rückkehr des Saarländers lauter wird. Lafontaine war im vergangenen Jahr wegen eines Krebsleidens aus der Bundespolitik ausgestiegen. Inzwischen gilt er aber als voll genesen. „Ich hatte Glück. Ich habe den Krebs wahrscheinlich überwunden“, verkündete er im März in einem Zeitungsinterview.

Inzwischen ist er auf der politischen Bühne wieder präsenter denn je. In diesem Jahr trat er in allen Wahlkämpfen als Publikumsmagnet auf. An der Klausurtagung der Bundestagsfraktion in Rostock nahm er im August ebenso teil wie an der Sitzung des Bundesvorstands nach dem Berliner Wahldebakel im September.

Großer Auftritt im Oktober Nach wie vor gilt Lafontaine zudem als einer der beliebtesten Talkshow-Gäste mit Linke-Parteibuch. Auch beim Bundesparteitag in Erfurt im Oktober dürfte Lafontaine einen großen Auftritt haben. Er hat das Parteiprogramm maßgeblich mitentwickelt, das in der thrüringischen Hauptstadt verabschiedet werden soll. Die Personaldebatte wollte die Parteispitze bis zu diesem Termin eigentlich vermeiden. Dieses Vorhaben ist längst gründlich gescheitert.