Mehr als zwei Stunden hatten sich die Landespolitiker von den Vorständen des Energiekonzerns deren Aktivitäten und Pläne erläutern lassen. „Wir haben dabei mehr Verständnis füreinander entwickelt“ , so die Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser. Auch wenn die Linke das Volksbegehren gegen neue Tagebaue in der Lausitz weiter unterstützen wird. Vattenfall-Sprecher Markus Füller sprach nach dem Gespräch ebenfalls von einer Annäherung beider Seiten.
Dabei übernahm die Linke-Fraktion die Rolle des neugierigen Fragestellers. Ist das Erschließen eines neuen Tagebaufeldes Jänschwalde-Nord, das mit dem Verlust dreier Dörfer im Landkreis Spree-Neiße einhergeht, wirklich alternativlos? Was tut Vattenfall, um den Einsatz regenerativer Energien zu befördern? Wie weit ist das Unternehmen mit seinen Bemühungen, Kohlendioxid abzuscheiden, das beim Verbrennen von Braunkohle entsteht?

Projekte vorgestellt
Laut Füller konnte der Vattenfall-Vorstand auf die Pilotanlage in Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) verweisen, die im September in Betrieb geht. Erstmals werde CO 2 abgeschieden, per Lkw in die Altmark transportiert und dort in leere Erdgas-Lager gepresst. Weiter beteilige sich der Konzern in vier Projekten an der Erprobung alternativer Energien - vom Windpark auf rekultivierter Fläche über eine Algenmast-Anlage bis hin zum Biokraftwerk und zu einem Null-Energie-Ort (die RUNDSCHAU berichtete). Daneben gaben die Vattenfaller Auskunft über genehmigte, noch nicht genehmigte und neue Tagebaue sowie betriebliche Rahmenbedingungen.

Kein Wahlkampf-Thema
Noch nie, so Füller, hätten sich Vattenfall und die Linke in Brandenburg so viel Zeit für ein ander genommen. Nie zuvor seien beide Vorstände komplett zusammengetroffen. Mit den anderen Koalitionen pflege Vattenfall bereits einen engen Dialog. Mit der Linken bahne sich dieser jetzt an.
Dass dem so ist, habe nichts mit Kommunalwahlkampf zu tun und dem Versuch, sich energiepolitisch zu profilieren, versicherte Kerstin Kaiser. Weil es die Regierungskoalition versäumt habe, eine Energie-Strategie vorzulegen, sei die Linke gezwungen, sich schlau machen. Dabei habe ihre Fraktion die Volksinitiative gegen neue Tagebaue schon deshalb begrüßt, weil das endlich einen Diskussionsprozess in Gang gebracht habe.
Von einem Energie-Dialog - mit weiteren Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft außer Vattenfall - erhofft sich die Linke Lösungen für eine ganze Reihe von Problemen. Oben an steht für die Fraktionschefin dabei die Frage: Was kann getan werden, damit kein weiteres Dorf in Brandenburg dem Braunkohle-Abbau zum Opfer fällt? Kerstin Kaiser vermisst Alternativen für den Fall, dass die CO 2 -Abscheidung misslingt. Dazu passe, dass Brandenburg hinter den internationalen Klimazielen zurück bleibe. Szenarien für einen Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung - auch das erhoffe sich die Linke von einem Energie-Dialog.