Luckenwalde. Dass sich unter den erwarteten drei vorgeschlagenen Bewerbern um die Führungsposition im Kreishaus Luckenwalde vor der geheimen Kampfabstimmung absolut kein Sieger abzeichnet, ist Kornelia Wehlan (Linke) und Andreas Fredrich (SPD) am gestrigen Montagabend während der Landratswahl in der Zuschauerreihe des Kreistages an der angespannten Mimik deutlich anzusehen. Hans-Peter Goetz (FDP/MdL), von den Freien Demokraten und der Bauernfraktion ins Rennen geschickt, dagegen scheint die Ruhe selbst. Nach dem ersten Wahlgang, den der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich mit 23 Stimmen für sich entscheidet, drückt Goetz (12) der Linken Kandidatin (17) mit siegessicherem Blick die Hand. Die Überraschung ist trotzdem groß nach der Stichwahl, die Kornelia Wehlan tatsächlich mit zwei Stimmen Vorsprung (27) vor Andreas Fred rich (25), dem gemeinsamen Hoffnungsträger von SPD (15 Abgeordnete), CDU (8) und Vereinter Fraktion (3), gewinnt.

Jubel und Applaus bricht aus, als der Kreistagsvorsitzende Christoph Schulze das Ergebnis bekannt gibt. Kornelia Wehlan, die zur Direkt- und der Stichwahl im Frühjahr zwar zweimal an den Kandidaten der großen Volksparteien vorbeigezogen war, aber das Mindestquorum denkbar knapp verfehlt hatte, hat das Kreishaus Luckenwalde nun im dritten Anlauf eingenommen. Das ist eine historische Stunde: Nach dem Verlust der SPD-Hochburgen Spree-Neiße und Elbe-Elster zur letzten Wahl an die Christdemokraten wird nunmehr das erste Kreishaus im Land Brandenburg von der Linken geführt.

Zuvor war im Dezember vergangenen Jahres mit Peer Gie secke einer der dienstältesten Landräte der SPD abgewählt worden. Der Politiker hatte einen Strafbefehl akzeptiert, um sich nicht einem Verfahren wegen Untreue aussetzen zu müssen. Unter anderem hatte er Zuschüsse aus dem Kreishaushalt für eine von seiner Frau geführte soziale Einrichtung fließen lassen. Seitdem waren alle Bemühungen, einen neuen Landrat in Teltow-Fläming zu wählen, ergebnislos geblieben.

Das Grundvertrauen in einen unbelasteten Neuanfang mit dem Sozialdemokraten Andreas Fred rich, Bürgermeister der Stadt Senftenberg, hat auch einigen Abgeordneten der eigenen Reihen gefehlt. Damit ist zu rechnen gewesen. Denn Vorteilsnahmen im Amt durch selbstgefällig gewordene SPD-Kommunalpolitiker und eine mangelnde parlamentarische Kontrolle sind in Teltow-Fläming aufzuarbeiten. Das lässt naturgemäß auch bisher in der Verantwortung stehende Parteigenossen zittern.