Christian Görke wirkte erleichtert. "Es ist ein überzeugendes Votum der Mitgliederschaft", sagte der Landesvorsitzende von Brandenburgs Linkspartei, als er am Reformationstag in Potsdam vor die Presse trat. Mit einem Votum von mehr als 92 Prozent stimmten Brandenburgs Linke während des mehrwöchigen Mitgliederentscheids über den Koalitionsvertrag für eine Fortsetzung der rot-roten Regierungskoalition.

Insgesamt beteiligten sich 75,7 Prozent der Mitglieder an der Abstimmung. "Jetzt ist der Weg frei für eine Fortsetzung der rot-roten Koalition", so Görke. Denn da der Mitgliederentscheid in der Satzung der Linkspartei einem Parteitagsbeschluss gleichkomme, müsse auf dem Parteitag nicht mehr über die Koalition an sich abgestimmt werden, ergänzte Landesgeschäftsführerin Andrea Johlige. Stattdessen gebe es eine geheime Abstimmung über die von den Linken nominierten Kandidaten für die Ministerposten.

Deren Zahl blieb freilich auch am Freitag unklar. Schon lange wird in Potsdam spekuliert, dass sich die Linkspartei nach ihrer Niederlage bei den Landtagswahlen im September künftig nur mit drei statt der bisherigen vier Ressorts begnügen muss. "Wir wollen so viele Ressorts wie möglich, aber für uns sind die Fachressorts entscheidend", sagte Görke, bevor hinter verschlossenen Türen in der Potsdamer Staatskanzlei die alles entscheidende letzte Verhandlungsrunde begann. "Wichtig wären uns die Themen Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie." Auch diese Äußerungen lassen sich in Richtung einer Reduzierung der Ministerien der Linken deuten - und auf eine große Reform bei den Ressortzuschnitten. Ähnliche Töne erklingen derzeit auch aus der SPD, die aber ebenfalls noch keine Kandidaten für das neue Kabinett benannt hat. Sie sollen heute auf einem Parteitag in Wildau benannt werden, wo dann auch die SPD über den Koalitionsvertrag abstimmen will.

Deutlich scheint in Potsdam derzeit allerdings, dass eine weitere Kabinettsmitgliedschaft der bisherigen Bildungsministerin Martina Münch (SPD) und von Umweltministerin Anita Tack (Linke) eher überraschend wäre. Bei den Linken schreibt die Satzung zudem vor, dass wenigstens eine Frau im Kabinett sein muss - sollte es nur drei Ressorts geben, müsste also entweder Justizminister Helmuth Markov oder Wirtschaftsminister Ralf Christoffers gehen, wenn nicht Görke selbst das Kabinett verließe. Als Ministerinnen infrage kämen die bisherige Landtagsvizepräsidentin Gerrit Große, Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski oder die Bundestagsabgeordnete Diana Golze.

Bei den Sozialdemokraten dürfte vor allem die Besetzung des einst von Ministerpräsident Dietmar Woidke selbst geleiteten Innenministeriums spannend werden: Angesichts der bevorstehenden Kommunalreform sowie der Dauerthemen Grenzkriminalität und Polizeireform bräuchte es hier wohl einen stärkeren Kandidaten als den derzeitigen Amtsinhaber Ralf Holzschuher.