Nach dem Wechsel einer Landtagsabgeordneten in Sachsen-Anhalt zur CDU verliert die Linkspartei auch in Sachsen eine Politikerin - in diesem Fall an die Piraten. Die Kreistagsabgeordnete Veronika Petzold hatte die Linke im Landkreis Nordsachsen bei Leipzig vor wenigen Tagen verlassen. Wie alle etablierten Parteien lebe die Linke vom "Weiter so", teilte Petzold am gestrigen Mittwoch auf ihrer Homepage mit, die bereits das Orange und das Logo der Piratenpartei zeigt. Sie wolle sich für Neues einbringen, erklärte Petzold.

Laut "Leipziger Volkszeitung" ist die 47 Jahre alte IT-Spezialistin als fraktionslose Abgeordnete im Kreistag die erste Mandatsträgerin der Piraten in Sachsen. Anfang des Monats war Petzold aus der Linkspartei ausgetreten.

Von der Linken zur CDU

Die Linke hatte zuvor bereits in Sachsen-Anhalt eine Parlamentarierin verloren. Ein Jahr nach der Landtagswahl wechselt die parteilose Abgeordnete Edwina Koch-Kupfer von der Linken zu den Christdemokraten. Die dortige CDU-Fraktion hatte am Dienstag beschlossen, sie in ihren Reihen aufzunehmen. Koch-Kupfer wurde von der Linken aufgefordert, ihr politisches Mandat zurückzugeben.

Die gleiche Forderung stellte am gestrigen Mittwoch auch Sachsens Linke-Chef Rico Gebhardt an Petzold. "Konsequent wäre es jetzt, wenn sie ihr Mandat zurückgeben würde", sagte Gebhardt in Dresden. Petzold sei durch den Wählerwillen auf die Liste der Linken gewählt worden. An den Piraten reize offenbar vor allem ein anderes Lebensgefühl. Dabei betreibe auch die Linke Netzpolitik und setze sich mit Urheberrecht auseinander.

Petzold will im Kreistag bleiben. Für sie als Kreistagsabgeordnete zähle, neue Aspekte einer modernen und einer Wissensgesellschaft hervorzuheben, teilte sie mit. Obwohl die Linke aus der Opposition heraus im Landtag Gestaltungswillen postuliere, scheine der Partei im Inneren kaum daran gelegen gleichzuziehen. Die notwendige innerparteiliche Reform sei ausgeblieben, kritisierte sie.

Florian Bokor, Beisitzer im Landesvorstand der sächsischen Piraten, sagte, mit Petzold habe die Partei die Chance, bereits vor den Kommunalwahlen 2014 das eigene Profil zu schärfen. Die Piraten könnten zeigen, dass sie auch kommunal eine Alternative böten.

Umfrage: Piraten bei neun Prozent

Petzold saß seit 2008 für die Linke im Kreistag. Laut einer repräsentativen Umfrage würden die Piraten derzeit mit neun Prozent der Stimmen ins Dresdner Parlament einziehen, wenn Landtagswahl wäre.