ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:51 Uhr

Linke im Existenzkampf

Berlin. Die Linkspartei steht vor der Zerreißprobe. Fraktionschef Gysi sieht nur noch zwei Möglichkeiten: Die Rivalen Lafontaine und Bartsch beenden ihren Machtkampf – oder die Partei zerfällt in zwei Teile. dpa/kr

Der quälende Machtkampf bei der Linken spitzt sich zu einer Existenzkrise für die Partei zu. Fraktionschef Gregor Gysi warnte jetzt eindringlich vor einer Spaltung, falls es nicht zu einer einvernehmlichen Lösung der Führungsfrage kommt. Als Kompromiss schlug er den früheren Vorsitzenden Oskar Lafontaine als Parteichef und den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch als Bundesgeschäftsführer vor. Führende ostdeutsche Linke warfen Parteichef Klaus Ernst vor, zu lügen und eine "Schmierenkomödie" aufzuführen.

Vor dem Parteitag Anfang Juni sympathisieren die Ost-Landesverbände mehrheitlich mit Bartsch, die West-Landesverbände sind überwiegend für Lafontaine. Keine Seite will klein beigeben.

"Der Sieg der einen über die anderen oder umgekehrt ist kein Weg zur Vereinigung, sondern läuft letztlich auf eine Trennung hinaus", warnte Gysi. Er appellierte an Lafontaine und Bartsch, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. "Oskar Lafontaine müsste auf Dietmar Bartsch zugehen und ihn als Bundesgeschäftsführer vorschlagen und akzeptieren. Und dann müsste Dietmar Bartsch auf Oskar Lafontaine zugehen und ihn als Parteivorsitzenden akzeptieren."

Gleichzeitig forderte Gysi die Frauen in der Partei mit Ambitionen auf den Vorsitz auf, ihre Kandidatur zu erklären. "Nach unserem Statut können zwei Frauen Parteivorsitzende werden, auf jeden Fall aber nur ein Mann und gleichberechtigt dazu eine Frau. Es wird Zeit, dass sie sich melden und Ansprüche artikulieren."

Bartsch hatte seine Kandidatur für den Posten des Parteichefs schon vor einem halben Jahr erklärt. Lafontaine ist zu einer Rückkehr an die Spitze bereit, will eine Kampfkandidatur aber vermeiden. Bartsch hat bereits erklärt, dass er sich Lafontaine nicht unterordnen will. Er wünsche sich "eine kollektive Führung, in der alle an einem Strang ziehen".

Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow machte die Berliner Parteispitze für den Führungsstreit verantwortlich.

Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping ist für einen dritten Weg ohne Bartsch und Lafontaine. Es ist auch eine Doppelspitze mit zwei Frauen im Gespräch.

Der neue Vorstand wird am 2. und 3. Juni auf einem Parteitag in Göttingen gewählt.