Auslöser der parteiinternen Gefechte war eine Abstimmung im Dresdner Stadtrat, bei der der 59-Jährige vorige Woche einem Antrag des rechtsextremen "Nationalen Bündnisses" auf eine Gedenkminute für die Opfer des 11. September 2001 zugestimmt hatte. Weckesser räumte die Zustimmung zwei Tage später als "politisch eindeutigen Fehler" ein. "Gemeinsam mit Nazis" dürfe es kein Gedenken geben.

Fraktionschef André Hahn betonte dennoch, das Vertrauensverhältnis zwischen Weckesser und der Fraktion sei "zerrüttet”. Er persönlich sei kein Verfechter von Ausschlussverfahren, sagte Hahn. "Wenn aber ein Abgeordneter inzwischen der CDU nähersteht als der Linken und bei Abstimmungen ein katastrophales Fehlverhalten zeigt, ist dieser Schritt unumgänglich.”

Weckesser selbst warf den Befürwortern des Ausschlusses auf Anfrage der RUNDSCHAU vor, sie hätten sich im Machtkampf um die nächsten Mandate eines Konkurrenten entledigt. "Ich will die Linke zu einer modernen und demokratischen Partei machen. Aber eine Oppositionsrolle, die nur die Fehler der anderen entlarven und Rücktritte fordern will, ist nicht mein Stil.” Er wolle jetzt versuchen, auf dem formalen Weg den drohenden Ausschluss zu verhindern. "Andernfalls bleibe ich fraktionsloser Abgeordneter der Linken.”

In der stundenlangen Debatte waren Weckesser - der 2003 beinah einer schweren Leukämie-Erkrankung erlegen war - zahlreiche Vorwürfe aus der Vergangenheit gemacht worden. Der 59-Jährige hatte sich mit öffentlicher Kritik an den Parteispitzen mehrfach unbeliebt gemacht.

Erst im Juli attestierte er Fraktionschef Hahn "Krawallpolitik" und warf dem gescheiterten Oberbürgermeister-Kandidaten Klaus Sühl eine Art der Disziplinierung vor, "die wir seit 1989 aus unseren Reihen verbannt glaubten". Weckesser wörtlich: "Ich will nicht, dass bei uns durch die Hintertür die SED wieder eingeführt wird."

Schon 2005 gehörte er zu den Genossen, die sich über den "Luxus-Linken" Oskar Lafontaine beschwerten, der für einen Trip von Mallorca zum Talkshow-Auftritt in Berlin einen Privatflieger verlangt haben soll: Er halte es "politisch für schwierig, dass Lafontaine lieber den Termin platzen lässt, als mit Linie zu fliegen". Der parteiübergreifend geachtete Finanzpolitiker leistet sich seinerseits den Luxus, auch als Oppositionspolitiker die Grundpfeiler der Finanzpolitik von Alt-Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) zu loben. Vor zwei Jahren verteidigte er zudem gegen die Intervention von Lafontaine den Verkauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Woba.

Rückendeckung bekam Weckesser von Leuten wie dem parteilosen Fraktionskollegen Heiko Hilker: Dass die Geschäftsordnung der Fraktion keine Regelung für einen Ausschluss vorsehe, sei kein Zufall, sondern eine Lehre aus der DDR-Zeit, "als Ausschlüsse und Parteistrafen dazu dienten, zentralistisch die Politik des Politbüros durchzudrücken".