Ein Glanzstart kann eine Bürde sein, selbst wenn man sie hinter einem Lächeln verbirgt. Es sind viele Vorschusslorbeeren dabei, als die neue FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg am Wochenende mit 92,8 Prozent beim Parteitag der Liberalen das beste Ergebnis der gesamten Bundesspitze erzielt.

Als Vertreterin eines relativ kleinen – und traditionell zerstrittenen – Landesverbandes in solch ein hohes Amt zu kommen, ist durchaus nicht selbstverständlich. Und es sagt etwas darüber aus, wie sich die 38-jährige Brandenburgerin, die seit acht Jahren im Bundesvorstand sitzt, in der männerdominierten Partei nach oben gekämpft hat.

„Ja, ich bin eine Frau und ich bin aus dem Osten“, unterstrich sie bei ihrer umjubelten Bewerbungsrede vor den Delegierten in Berlin. Das sei gut so, und es sei eine einfache Normalität. Für die kommende politische Auseinandersetzung – Generalsekretäre gelten gemeinhin als Speerspitze ihrer Partei – sieht sie sich durch ihre Herkunft in besonderer Weise gerüstet.

Brandenburgerin Linda Teuteberg ist seit 1998 bei der FDP

1998 bei den Jungen Liberalen eingetreten, machte Linda Teuteberg ihre ersten politischen Schritte in eben jenem Jahr, als eine rot-grüne Bundesregierung ins Amt kam und ihre Freien Demokraten in Brandenburg in der außerparlamentarischen Opposition waren.

Zu den Liberalen zu gehen, was sie im Nachhinein als „eine der besten Entscheidungen meines Lebens“ bezeichnet, war im sozialdemokratisch regierten Brandenburg eher ungewöhnlich. „Ich weiß noch sehr gut, wie oft ich mich dafür rechtfertigen musste“, erinnert sie sich. Gegen die Mehrheitsmeinung zu argumentieren, sei eine gute Schule gewesen, erinnert sich die Potsdamerin, die in Görsdorf bei Storkow aufwuchs und im Gymnasium Bernhardinum in Fürstenwalde ihr Abitur ablegte.

Auch bei der ersten Rede nach ihrer Wahl zur Generalsekretärin bringt sie das Thema Ostdeutschland unter. Allerdings erst, nachdem sie die klassischen liberalen Themen von Wirtschaftswachstum bis zur Abschaffung des Solidaritätszuschlags abgespult und so die Seele der Delegierten gestreichelt hat.

FDP steht im Ostdeutschland nicht so gut da wie gewünscht

Immerhin werden in diesem Jahr nicht nur das Europaparlament und die Bürgerschaft in Bremen, sondern im Herbst auch in drei ostdeutschen Bundesländern die Landtage gewählt – in Brandenburg, Sachsen und Thüringen.

Und ihre Liberalen stehen in den Umfragen bei Weitem nicht so gut da, wie Parteichef Christian Lindner es gern hätte. Er peilt mittelfristig zweistellige Wahlergebnisse für seine Partei in den Ländern an. Im Osten muss die FDP aber darum kämpfen, überhaupt in die Landtage zu kommen. Sie streift in Umfragen gegenwärtig gefährlich die Fünf-Prozent-Hürde.

Teutebergs Rezepte für die neuen Bundesländer sind allerdings keine bequemen. Während sie einerseits die Leistungen der Ostdeutschen in der Nachwendezeit würdigt und fordert, deren Erfahrungen ernst zu nehmen, wendet sie sich gleichzeitig gegen „Jammerei und Geschichtsklitterung“, wie es Linke und Teile der SPD zelebrierten.

FDP-Generalsekretärin: Osten braucht keine milden Gaben

Der Osten brauche auch „keine Sonderbehandlung und keine milden Gaben, keine wohlmeinenden Ratschläge“, sondern Reformen, wie ganz Deutschland. Die Probleme dort seien nämlich gar nicht so anders als im Westen, aber sie kämen früher, schneller und deutlicher.

Teuteberg erwähnt die alternde Gesellschaft, die Abwanderung aus strukturschwachen Gebieten und das Verschwinden von Industriezweigen. Man müsse verstehen lernen, warum nach den Erfahrungen des Umbruchs vor 30 Jahren ein Wandel wie die Digitalisierung für viele Menschen in Ostdeutschland nicht nach Verheißung, sondern nach Sturmflut klinge.

Ihr Rezept, um sie zu erreichen, sei daher: „Wir gewinnen in Ostdeutschland nicht mit hehren Versprechungen, sondern mit Ehrlichkeit und Respekt.“

Linda Teuteberg (FDP): Respekt für Ostdeutschland

In solchen Passagen scheint durch, was Parteichef Christian Lindner bei ihrer Vorstellung als künftige Generalsekretärin als eine ihrer Qualitäten betont hatte – die Verbindung von Weltoffenheit und Empathie. Schon lange wurde von höchster liberaler Stelle nicht mehr mit so viel Zugewandtheit über den Osten gesprochen wie in der Rede der neuen Generalsekretärin. Zumindest nicht seit dem Tod von Hans-Dietrich Genscher.

Bei den Delegierten kommt Teuteberg gut an. Ihre beiden Reden auf dem Parteitag werden mit heftigem Zwischenapplaus und langanhaltenden stehenden Ovationen bedacht, die im zweiten Fall sogar die 2:45 Minuten für ihren Parteichef erreichten.

„Sie hat eigene Themen gesetzt“, lobt etwa der Liberale Pascal Kober aus Baden-Württemberg. Andere, wie der hessische Bundestagsabgeordnete Alexander Müller freuen sich über ihr „telegenes, sicheres Auftreten ohne Ähs. und Öhs“. Andere sind abwartend. Es sei gut, dass in der Partei mit ihrem geringen Frauenanteil von 21,6 Prozent wieder eine Frau das Amt bekleide.

Kritik an Generalsekretärin Linda Teuteberg (FDP) hinter vorgehaltender Hand

Aber ob Teuteberg als migrationspolitische Sprecherin im Bundestag und FDP-Kreisvorsitzende eines kleinen Landesverbandes das Potenzial habe, die ganze Bundespartei programmatisch und in Wahlkämpfen zu führen, werde man abwarten müssen, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Teutebergs geglückter Start verbindet sich zugleich mit einem rumpeligen Abgang ihrer Vorgängerin. Weil Nicola Beer zur Spitzenkandidatin für die Europawahl gewählt wurde, dafür aber stellvertretende Parteivorsitzende werden wollte, war ein Vizeposten zu wenig da.

Daraufhin zog die populäre bisherige Stellvertreterin Agnes Strack-Zimmermann ihre Kandidatur zurück, was ihr frenetischen Applaus der Parteitagsdelegierten einträgt. Sie wird künftig Beisitzerin im Präsidium, Nicola Beer erhält hingegen eine Watschn: Mit gerade mal knapp 59 Prozent wird sie zur Vize-Parteichefin bestimmt.

In zwei Jahren werden die Liberalen ihre Bundesspitze erneut wählen. Bis dahin hat Linda Teuteberg Zeit, sich zu bewähren. Und zu zeigen, ob ihr Ansatz der richtige ist.

Berlin