Dem Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, droht ein Strafbefehl wegen "Falschaussage unter Eid" in zwei Fällen. Einen entsprechenden Antrag stellte die Hamburger Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor dem zuständigen Amtsgericht. Zudem geht auch der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu dem umstrittenen Oberhirten auf Distanz: In der nächsten Woche werde er in Rom ein Gespräch mit Papst Franziskus über die Situation im Bistum Limburg führen, kündigte Zollitsch vor der Berliner Bundespressekonferenz an.

Auf die Frage eines Journalisten, warum er Tebartz-van Elst nicht sofort den Rücktritt nahelege, antwortete Zollitsch: Der Papst solle seine Vorschläge "nicht von der Presse, sondern von mir hören".

Das erinnert an den Fall eines anderen Skandalbischofs: Unmittelbar bevor der umstrittene Augsburger Bischof Walter Mixa 2010 seinen Hut nehmen musste, reisten Zollitsch und der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx ebenfalls nach Rom, um dem damaligen Papst Benedikt XVI. aus erster Hand über die Vorgänge in Deutschland zu berichten.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war deutschlandweit in die Kritik geraten, nachdem die Baukosten seiner Residenz, des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus von 5,5 auf 31 Millionen Euro explodierten.

Im Zusammenhang mit der Baumaßnahme warfen das Präsidium der Limburger Diözesanversammlung und der Vorstand des Diözesansynodalrats Tebartz-van Elst mittlerweile einen "beängstigenden Umgang mit der Wahrheit" und "bewusste Fälschung" vor.

Der Strafbefehl indes soll nach Äußerungen über einen Erste-Klasse-Flug nach Indien ergehen, die Tebartz-van Elst gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" machte. Im Gespräch mit einem Reporter hatte er erklärt, nur Business-Klasse geflogen zu sein. Diese Äußerung wollte Tebartz-van Elst später mit einer eidesstattlichen Erklärung widerrufen. " Der Spiegel" hatte die Aussagen über die Luxusreise jedoch auf Video gebannt und anschließend im Internet veröffentlicht.

Doch der Bischof, zu dessen Diözese auch die Millionenstadt Frankfurt am Main gehört, zeigt sich weiter uneinsichtig: Am Donnerstag riet er in der "Bild-Zeitung" dazu, erst einmal das Ergebnis einer Überprüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz "abzuwarten, bevor man den Stab über mich bricht". Das Diözesane Zentrum sei "kein Protzbau".

Er fügte hinzu: "Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche." Eine geplante Israelreise sagte Tebartz-van Elst aber ebenso ab wie eine Buchvorstellung Anfang der Woche.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Apostolische Administrator des Erzbistums Freiburg bekannte in Berlin, die Situation "aufmerksam und mit großer Sorge" zu verfolgen. "Es steht mir nicht zu, zu urteilen", sagte er. "Aber ich bin sicher, dass sich auch der Bischof von Limburg gründlich und mit der notwendigen Selbstkritik mit der Entwicklung auseinandersetzen wird."

Die von Tebartz-van Elst erbetene Untersuchungskommission der Bischofskonferenz werde in Kürze ihre Arbeit aufnehmen und sich mit einer Klärung der Kosten, der Finanzierung und der Entscheidungswege im Bistum Limburg beschäftigen. Doch zwischen den Zeilen machte Zollitsch mehr als deutlich, was er tatsächlich von seinem Amtsbruder hält. So betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, dass es zu den wichtigsten Aufgaben eines Bischofs gehöre, den Kontakt mit den Menschen zu suchen.

"Der Bischof ist für das Ganze verantwortlich", sagte Zollitsch. "Es ist wichtig, dass er nahe bei den Menschen ist, und ihr Vertrauen besitzt." Im Bistum Limburg indes haben seit dem Amtsantritt von Franz-Peter Tebartz-van Elst rund 25 000 Menschen die katholische Kirche verlassen.

Und Robert Zollitsch wurde noch deutlicher: Sollte er selbst je einen Strafbefehl erhalten, könne er sich nicht vorstellen, anschließend als Bischof weiterzumachen. Ihm sei auch nicht bewusst, dass es je einen deutschen Bischof gegeben habe, gegen den ein Strafbefehl verhängt wurde. Die Vorgänge im Bistum Limburg jedenfalls seien "eine schwere Situation für die katholische Kirche in ganz Deutschland".