Für seine Anhänger ist dies nichts Ungewöhnliches. Der Mann, der Südafrikas nächster Präsident werden soll, ist trotz seiner zahlreichen Affären beim einfachen Volk und den Gewerkschaften äußerst beliebt. Vor dem Gerichtsgebäude in Pietermaritzburg feiereten Tausende Anhänger, als der Prozess wegen Verfahrensfehlern eingestellt wurde. Die Richter bestätigten in ihrer Urteilsbergündung die Vermutungen der Zuma-Anhänger, dass Präsident Thabo Mbeki hinter dem Prozess stecken könnte. Zuma hatte seinen Erzrivalen Mbeki im Dezember vergangenen Jahres in einer Kampfabstimmung auf dem Parteitag von der ANC-Spitze verdrängt. Nur zehn Tage später nahm die Justiz ein bereits eingestelltes Korruptionsverfahren gegen Zuma wieder auf. Das Gericht sprach von "unheilvoller politischer Einflussnahme" aus höchsten Regierungskreisen. Am Samstag beschloss die Regierungspartei ANC, Mbeki vor dem Ende seines Mandats Mitte 2009 abzuberufen. Dem kam Mbeki gestern Abend zuvor. Er erklärte seinen Rücktritt als südafrikanischer Präsident. In einer Fernsehansprache sagte er, er habe Parlamentspräsident Baleka Mbete sein Rücktrittsschreiben überreicht. Zuma wird seine Partei nun im kommenden Jahr als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen. Das Gericht in Pietermaritzburg hatte allerdings auch deutlich gemacht, dass die Einstellung des Verfahrens nichts über die Schuld oder Unschuld von Zuma aussage. Dem ANC-Chef waren Korruption, Geldwäsche, Erpressung und Betrug zur Last gelegt worden. Unter anderem soll er während seiner Zeit als Vize-Präsident (1999-2005) vom südafrikanischen Rüstungsunternehmen Thint rund 68 000 Euro angenommen haben, um im Gegenzug die Untersuchung eines Waffengeschäfts zu verhindern. Neben den Korruptionsvorwürfen wiegt vor allem ein Vergewaltigungsprozess vor zwei Jahren schwer. Zwar wurde Zuma freigesprochen, allerdings hatte er vor Gericht erzählt, dass er sich nach dem Verkehr mit der HIV-infizierten Frau zum Schutz lediglich gründlich geduscht habe. Das sorgte auch bei Aids-Aktivisten für Empörung - nicht zuletzt, weil Zuma zu dieser Zeit Vorsitzender des nationalen Aids-Rates war. Zuma kam in einem Dorf in der Provinz KwaZulu-Natal zur Welt und wuchs als Arbeitersohn ohne Schulbildung auf, 1958 trat er dem ANC bei. Fünf Jahre später wurde er wegen Verrats vom Apartheidregime verurteilt und saß zehn Jahre auf der Gefangeneninsel Robben Island vor Kapstadt zusammen mit Nelson Mandela in Haft. Später lebte er zwölf Jahre im Exil. Nach der Aufhebung des ANC-Verbots 1990 kehrte Zuma in seine Heimat zurück. An den Gesprächen mit der regierenden National-Partei über die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit war er maßgeblich beteiligt. Später wurde er Wirtschaftsminister von KwaZulu-Natal, bevor er 1999 zum südafrikanischen Vize-Präsidenten aufstieg. Zuma ist der Liebling der Armen und Benachteiligten in Südafrika, und seine Anhänger sind zu vielem entschlossen. Der Anführer der ANC-Jugendorganisation, Julius Malema, sagte im Juni, er würde für Zuma sogar "zu den Waffen greifen und töten". Auch der Generalsekretär des südafrikanischen Gewerkschaftsverbandes Cosatu, Zwelinzima Vivi, erklärte einst, für den charismatischen Politiker "zu töten und zu sterben". Nun sieht es so aus, dass es Zuma auch auf mehr oder weniger demokratischem Weg ganz nach oben schafft.