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Liebhaberweine aus dem Lausitzer Land

Wein vom Wolkenberg: Im Tagebau Welzow wachsen auf einer Fläche von sechs Hektar seit 2010 unter anderem Cabernet Dorsa, Rondo, Schönburger und Kernling.
Wein vom Wolkenberg: Im Tagebau Welzow wachsen auf einer Fläche von sechs Hektar seit 2010 unter anderem Cabernet Dorsa, Rondo, Schönburger und Kernling. FOTO: Bergbautourismus-Verein
Cottbus. Weinbau hat in der Lausitz eine lange Tradition. Bereits vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden vielerorts Trauben angebaut und gekeltert. Doch erst seit Änderung der Weinverordnung 2007 gibt es das Tafelweinanbaugebiet "Niederlausitz" und den "Brandenburger Landwein". Anja M. Lehmann

Mit dem Wolkenberg und Marbachs Wolfshügel liegen zwei der größten Weinanbaugebiete Brandenburgs in der Lausitz. An insgesamt 29 Standorten wird im Land auf einer Rebfläche von 30 Hektar Wein angebaut. Die Rebrechte für jene Flächen sind mittlerweile durch das zuständige Agrarministerium vollständig vergeben. Rund 95 Prozent der Rebflächen liegen im Süden Brandenburgs sowie in Werder (Havel). Der Großteil wird von Einzelunternehmen bewirtschaftet, etwa ein Fünftel von Weinbauvereinen.

Lange Weinbau-Tradition

Insgesamt werden so jährlich zwischen 300 und 600 Hektoliter Wein gekeltert. Doch mit einem Anteil von unter 0,03 Prozent an den Weinanbauflächen Deutschlands kommt Brandenburg auf dem nationalen Markt kaum Bedeutung zu. Dennoch zeichnet sich die Region durch eine vielfältige Weinbaulandschaft aus.

Weinbau hat in der Lausitz eine lange Tradition. So wurde in der Gubener Region nachweisbar bereits seit 1280 Wein angebaut und gekeltert. Um das Interesse am Weinbau als kulturelles Erbe in der Bevölkerung zu fördern und die Winzer in der Region fachlich zu unterstützen, gründete sich 2008 das Netzwerk Weinbau im Land Brandenburg.

Diesem gehört auch der Verein Gubener Weinbau an. "Es ist ein guter Jahrgang", sagt der Vorsitzende Dietmar Heinze. Der Herbst war mild. So habe man den optimalen Zeitpunkt zur Weinlese abpassen können. "Wir sind mit der Qualität sehr zufrieden", so Heinze. Erst vor wenigen Tagen wurde der Wein abgefüllt. Erstmals in diesem Jahr wegen der steigenden Nachfrage auch in kleineren Viertelliter-Flaschen. Der Landwein wird dann mit anderen regionalen Produkten in der Weinscheune Grano (Spree-Neiße) verkauft. Neben einer Schaukelterei bietet der Verein regelmäßig Führungen und Weinbau-Seminare für Hobby-Winzer an. Neun ehrenamtliche Mitglieder bewirtschaften den Weinhang in Grano, einer Ortschaft nordwestlich von Guben. Auf einem Hektar Land stehen rund 4500 Reben, die ersten wurden 2004 angepflanzt. "Das ist sehr viel Arbeit", sagt Dietmar Heinze und hofft, dass nachfolgende Generationen Interesse für die Weinbautradition in Guben entwickeln.

Alte Sorten sind gefragt

Mittlerweile bringen auch viele Hobby-Winzer ihre Ernte zum Pressen nach Grano. "Sortengerecht werden die Trauben mit unserer Lese gepresst und abgefüllt", erzählt der Vereinsvorsitzende. Unter den elf angebauten Sorten seien vor allem Solaris und Phoenix sowie alte Weine - etwa Gubener Rubin und Reichenbacher Perle - gefragt. Da traditionelle Sorten wegen ihrer Anfälligkeit gegenüber pilzlichen Erregern einen hohen Aufwand im Pflanzenschutz erfordern, setzen viele Weinbauern auf pilzwiderstandsfähige, sogenannte Piwi-Rebsorten. Die rote Piwi-Sorte Regent ist mit 5,7 Hektar die am meisten angebaute Rebsorte in Brandenburg.

Landwein vom Wolfshügel

Auch Winzer Hubert Marbach, Inhaber des gleichnamigen Landhauses und des Weinguts Marbachs Wolfshügel in Jerischke (Spree-Neiße), setzt neben alten Rebsorten vor allem auf Piwi-Sorten wie Johanniter, Cabernet Cortis und Regent. Vor sieben Jahren hat der gebürtige Rheinländer auf seinem Anwesen einen historischen Weinberg rekultiviert und die ersten Reben gepflanzt. Im Zwei-Jahres-Rhythmus wurde der Hang auf sechs Hektar erweitert. "Auf der ersten Fläche erhalten wir pro Jahr einen Ertrag von 3000 Flaschen Wein", erzählt Hubert Marbach. Wenn alle Reben in sechs bis sieben Jahren ihre volle Reife erlangt haben, sei mit einem Ertrag von rund 15 000 Litern zu rechnen. Aufgrund von Frostschäden müsse jedoch immer wieder nachgepflanzt werden. "Allein in diesem Jahr etwa 3000 Reben", so Weinbauer Marbach. Die Spätfröste zu den Eisheiligen werden von allen Winzern gefürchtet, denn der Frost schädigt die jungen Triebe und kann die Erträge erheblich schmälern.

Die Ernte vom Wolfshügel lässt Hubert Marbach im sächsischen Weingut Schloss Proschwitz "Prinz zu Lippe" bei Meißen keltern. Der ehemalige Vattenfall-Finanzvorstand hat bis vor Kurzem zusätzlich sechs Hektar auf dem Wolkenberg im Tagebau Welzow (Spree-Neiße) bewirtschaftet. Seit 2014 kümmert sich Martin Schwarz um den 30 Meter hohen, künstlich angelegten Weinhang. "Üblicherweise bringen neu angelegte Rebstöcke nach drei Jahren ersten wirtschaftlichen Ertrag", sagt Martin Schwarz. Doch am Wolkenberg sei in den Anfangsjahren einiges schief gelaufen, was die Entwicklung der 2010 gepflanzten Rebstöcke beeinträchtigt habe, erklärt der studierte Weinbauer.

Nachhaltiger Weinbau

So ist die Weinerzeugung für ihn und seine Mitarbeiter vorerst zweitrangig. Um die geschwächten Reben zu stärken, pflanzen sie Hülsenfrüchte dazwischen. Sie sollen zusätzlich zu Pferdemist und gemulchtem Rebholz den Boden verbessern. Im vergangenen Jahr wurden die Reben zur Stärkung bereits im Sommer verschnitten. In diesem Herbst soll wieder eine kleinere Menge Trauben gelesen und in Meißen gekeltert werden. Zukünftig will Martin Schwarz die Trauben vom Welzower Tagebau als Brandenburger Landwein vermarkten.

Erfahren Sie in "Der Weg des Weines", in welchen Schritten Wein hergestellt wird. www.lr-online.de/weinanbau.

Zum Thema:
Die Bezeichnungen der deutschen Weinbaugebiete sind im Weingesetz und der Weinverordnung geregelt. Unterschieden werden Anbaugebiete für Qualitätswein und für Landwein. Die Anfang der 1990er-Jahre bestehenden Anbauflächen Brandenburgs wurden nach der Wende den Qualitätsweinanbaugebieten Sachsen (Schlieben, Kreis Elbe-Elster) und Saale-Unstrut (Werder/Havel, Kreis Potsdam-Mittelmark) zugeordnet. Die Mehrzahl der auf 30 Hektar begrenzten Rebflächen gehört heute zu dem seit 2007 zugelassenen Landweingebiet Brandenburg. Zuständig für das Weinrecht und die Weinbaukartei sowie die Verwaltung der Rebrechte und die Erhebung der Ernte- und Erzeugungsmeldungen in Brandenburg ist das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. Über aktuelle Daten und Fakten zum "Weinland Brandenburg" informiert das Ministerium im Internet unter www.mlul.brandenburg.de . Informationen zum Netzwerk Weinbau im Land Brandenburg finden sich im Internet unter www.weinland-brandenburg.de .