Im benachbarten einzigen Brandenburger "Ronald McDonald Haus" finden sie Unterschlupf während der mitunter monatelangen Therapie ihrer Kinder. 17 Appartements sowie Gemeinschaftsküche und -räume stehen zur Verfügung. Seit der Eröffnung haben fast 2650 Familien im Elternhaus für die Lausitz gewohnt. Insgesamt gibt es in Deutschland 15 solcher Häuser.
Mary Jane kämpft um ihr Leben. Die Zweijährige hat Tumore im Bauch und im Kopf. In der Kinderklinik des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) Cottbus behandeln die Ärzte seit sechs Monaten das kleine Mädchen. Mary Janes Eltern aus Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) sind immer in der Nähe, tagsüber in der Klinik, nachts nebenan im "Elternhaus für die Lausitz".
Das "Ronald McDonald Haus" gewährt Jenny Heine (25) und ihrem Mann Unterschlupf. Seit der Diagnose ist die Familie häufiger in Cottbus als in ihrer etwa 40 Kilometer entfernten Heimat. "Wir sind bei Mary Jane, im Notfall auch nachts", sagt Jenny Heine. Ihr Mann ist Maler, zurzeit aber krankgeschrieben, um für seine Tochter da zu sein. Für die Familie war die Diagnose ein Schock. "Eigentlich will ich es immer noch nicht wahrhaben. Aber wir müssen stark sein für unser Kind", sagt Jenny Heine, gelernte Bürokauffrau.
Dafür, dass sie sich nicht noch um Übernachtung oder Pendlerei kümmern müssen, sind die Eltern dankbar. Sie leben je nach Therapiedauer zwischen zwei bis zehn Wochen im Elternhaus.
Helle Möbel und warme Farben wirken ebenso einladend wie die moderne Küche, Gemeinschaftsräume und der Balkon. "Wir wollen ein liebevolles Zuhause auf Zeit geben", sagt Hausleiterin Sybille Stahn. Schön sei, dass die Angehörigen sich untereinander austauschten und gegenseitig Kraft gäben. Drei haupt- und 15 ehrenamtliche Mitarbeiter bemühen sich um das Wohl der Bewohner. "Einmal pro Woche gibt es ein gemeinsames Verwöhnfrühstück und ein Abendbrot", erzählt Stahn. Bis zu 26 Gäste würden dann von den Ehrenamtlichen bekocht. "Wir genießen das - die Essen lenken ab und geben Kraft, um Mary Jane beizustehen", sagt ihre Mutter. Denn der Klinikalltag ist anstrengend.
Während der Chemothe rapien muss das kleine Mädchen wegen des Tropfes sitzen oder liegen - trotzdem will es beschäftigt werden. Wie wichtig die familiäre Nähe für die Patienten ist, betont Thomas Erler, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Cottbus. "Kinder brauchen ihre Familie. Wenn die Eltern da sind, genesen sie schneller und fremdeln weniger mit Ärzten und Personal", so der Arzt.
"Dass sie sich vom harten Klinikalltag erholen können und trotzdem in der Nähe sind, ist optimal", hebt Erler hervor. Die Familien zahlen 15 Euro pro Tag und Appartement. Nach Angaben der Hausleiterin Stahn kostet der Betrieb des Hauses 120 000 Euro im Jahr. Ein Drittel werde durch Erlöse aus Übernachtungen finanziert, zwei Drittel aus Spenden. "Im Schnitt bleiben Angehörige fünf Tage, der längste Daueraufenthalt betrug acht Monate." www.kinderklinik-cottbus.de
www.mcdonalds-kinderhilfe. org