Ab kommendem Montag finden sich die christsozialen Bundestagsabgeordneten wieder in Kreuth vor schneebedeckten Bergen zur alljährlichen Klausur ein. Eine Revolte ist diesmal aber nicht zu erwarten.

Die Bundestags- und insbesondere die Landtagswahlen stehen im September an und die CSU hat Chancen, in Bayern die so schmerzlich vermisste absolute Mehrheit zurückzuerobern. Zwar sieht die Tagesordnung diverse "Aussprachen" vor. Um des lieben Friedens willen werden die meisten Abgeordneten aber bloß die Faust in der Tasche ballen, um dann abends in der Weinstube oder beim Bier in kleinen Kreisen ihren Frust über den Parteichef zu betäuben.

"Ach ja, der Horst", stöhnen sie in Berlin. Seehofer gilt in der Hauptstadt als unberechenbar. Sein Verhältnis zur Landesgruppe ist unterkühlt, die CSU-Abgeordneten fühlen sich missachtet und beklagen ihren Bedeutungsverlust. Selten agiert der Parteichef in Absprache mit seinen 44 Berliner Statthaltern.

Das nervt die Landesgruppe. Deren Chefin Gerda Hasselfeldt macht aus unterschiedlichen Auffassungen inzwischen keinen Hehl mehr. Aber die direkte Konfrontation mit dem Vorsitzenden meidet Hasselfeldt. Das ist nicht ihr Politikstil.

Die frühere Vize-Bundestagspräsidentin, die von Seehofer installiert wurde und der er galant wie geschickt die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl übertragen hat, ist keine bajuwarische Polterin. Sie fegt die Scherben auf, die von München aus angerichtet werden. Hasselfeldt geht es um die Sache: "Für mich zählen die Ergebnisse", sagt sie. So soll es auch in Kreuth sein. Das unterscheidet sie freilich von Seehofer.

Der bayerische Löwe mit dem Hang zu beißendem Spott schlingert inhaltlich oft. Er stößt gerne Debatten zur Unzeit an, wie jetzt über schwarz-grüne Bündnisse. Vor allem aber lästert Seehofer häufig über das eigene Spitzenpersonal, das sich schon jetzt kräftig um die Nachfolge balgt.

Kürzlich bekam das der bayerische Finanzminister Markus Söder zu spüren, den er als "vom Ehrgeiz zerfressen" bloßstellte.

Von den CSU-Bundesministern hat einzig Verbraucherministerin Ilse Aigner im Moment Seehofers Gunst. Sicher sein kann sich Aigner aber auch nicht. Mit Innenminister Hans-Peter Friedrich und Verkehrsminister Peter Ramsauer hat es sich der CSU-Regent längst verscherzt.

Das ist die Gemengelage ab Montag im Tegernseer Tal. Sie soll aber das christsoziale Treffen im Wahljahr möglichst nicht beeinträchtigen. Hasselfeldt und Seehofer werden deshalb "politische Berichte" abgeben, die jeweils vor Erfolgsmeldungen nur so strotzen dürften.

Mit dem irischen Premierminister Enda Kenny als Gast will man dann über die Eurokrise beraten. Auch der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, sowie Umweltminister Peter Altmaier schauen vorbei. Und die Meinungsforscherin Renate Köcher soll der Partei letztlich Mut machen für die anstehenden Wahlen.

Um den Takt für die Klausur vorzugeben, sendete Seehofer übrigens vor wenigen Tagen Liebesgrüße aus München an seine Landesgruppe: Er sei mit dem Auftreten der CSU in der Hauptstadt "sehr zufrieden", meint er, Kreuth dabei fest im Blick. Wie sagen sie noch in Berlin? "Ach ja, der Horst."