Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Justizministerin Barbara Richstein (CDU) hatten bereits angekündigt, dass vor dem Richterdienstgericht Lieberts Amtsenthebung beantragt werden soll. Kein Wunder, dass das Medieninteresse im Saal des Verfassunsgerichtes groß war.
Wer aber erwartet hatte, dass Liebert erstmals konkret Stellung bezog, wurde enttäuscht. Warum er sein Amt, um es vor Schaden zu bewahren, bis zur Klärung nicht freiwillig ruhen lässt„ "Es ist meine Pflicht und mein Recht es zu versehen", sagte er knapp und verlas eine dürre Erklärung. Der Kern: "Die Vorwürfe sind der Sache nach unbegründet." Es blieb bei diesem allgemeinen Satz, den Liebert nicht näher untermauerte. Er verwies nur auf das schwebende Disziplinarverfahren, um das er selbst gebeten habe. Konkrete Nachfragen, etwa ob er je nach Frankfurt/Oder umziehen wollte, ob er je eine Wohnung suchte - Bedingungen für die Zahlungen einer Entschädigung bei getrenntem Arbeits- und Wohnort - ließ der OVG-Präsident nicht zu. "Ich habe meiner Erklärung nichts hinzuzufügen."
Später, die Pressekonferenz war vorbei und Liebert gegangen, warf sich OVG-Vizepräsident Henning Krüger für ihn in die Bresche: Dass sich der Ministerpräsident im Landtag zum Fall Liebert geäußert habe, sei mit einem "rechtsstaatlichen Verfahren unvereinbar". Für die von Platzeck reklamierte "politische Bewertung" gebe es keine Grundlage. Auch der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts "missbillige" den Vorgang. Frage an Krüger: Das alles klingt so, als ob die Aufklärenden und nicht der Trennungsgeld-Missbrauch dem Ansehen der Justiz geschadet hätten“ Seine Antwort: "Ich sage nichts mehr." Betretenes Schweigen, steinerne Mienen ringsum.
Eine bizarre Pressekonferenz, auf der die Präsidenten der Verwaltungsgerichte des Landes zuvor eine düstere Bilanz zogen. "Wir haben weiterhin eine Höchstbelastung an den Verwaltungsgerichten", resümierte Liebert. Am Oberverwaltungsgericht (OVG) etwa sei die Zahl der Verfahren im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent auf 1484 gestiegen. Die Belastung der Richter liege mit 81 Verfahren je Richter deutlich über dem Bundesschnitt (2002: 54 Fälle). Viele Verfahren dauerten zu lange.
Zwar seien am OVG fast 26 Prozent mehr Fälle (1771) abgeschlossen worden, als im Jahr zuvor. Dies rühre aber maßgeblich daher, dass eine Serie ähnlich gelagerter Verfahren beim Abgaberecht beendet werden konnte. "Die günstige Entwicklung der Erledigungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung der Geschäftslage allen Anlass zur Sorge gibt", betonte Liebert. Von den 18 verfügbaren Richterplanstellen am OVG seien 2003 im Jahresschnitt 11,39 für die Rechtsprechung besetzt gewesen. Um die Dauer der Verfahren, die schon jetzt teilweise drei Jahre erreiche, nicht noch zu verlängern, sei eine personelle Verstärkung dringend erforderlich.

Hintergrund Verfahrensberg steigt
 Auch die Verwaltungsgerichte in Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam verwiesen auf die hohe Arbeitsbelastung. Der Rückgang der Verfahren seit 2001 setzte sich nach ihren Angaben nicht fort. Stattdessen stieg die Zahl der Fälle insgesamt um 0,5 Prozent auf 24 771. Zwar konnte der Bestand alter Fälle teils verringert werden - etwa in Potsdam von mehr als 14 000 Ende 2001 auf knapp 12 000. Doch der hohe Altbestand bleibe eine Belastung, räumte der Präsident des Potsdamer Gerichts, Claus Peter Ladner, ein. Das Verwaltungsgericht Cottbus sieht einen Grund der Misere in chronischer Unterbesetzung: Seit fast 20 Monaten ist dort das Amt des Gerichtspräsidenten unbesetzt.