Die Experten machen erste Lichtblicke am Horizont aus: Der weltweite Verbreitungsgrad des tödlichen Virus hat sich stabilisiert. Immer mehr Infizierte haben Zugang zu Medikamenten und die Pharmaindustrie arbeitet an neuen Behandlungsmethoden. Hoffnungen auf eine vollständige Heilung der Krankheit sind verfrüht, warnen die Experten. Doch bekomme man Aids langsam in den Griff. „Die Aids-Epidemie hat sich stabilisiert“ , sagt Achmat Dangor, Kommunikationsdirektor beim Aids-Hilfswerk der Vereinten Nationen (Unaids).
Im weltweiten Maßstab verlangsamt sich die Ausbreitung der Krankheit, sagt Dangor. „Allerdings gibt es Regionen und Länder, in denen sie ansteigt.“ So sei das Virus etwa in Osteuropa und Indien rapide auf dem Vormarsch. Weltweit leben laut Unaids 38,6 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. 2,8 Millionen starben vergangenes Jahr an der Krankheit.
Den größten Fortschritt gab es in den armen Ländern zu verzeichnen, in denen die meisten HIV-Infizierten leben. Im Dezember 2003 hatten dort nur 400 000 Infizierte Zugang zu Medikamenten. Inzwischen werden zunehmend preiswerte Generika verteilt; 2005 wurden bereits 1,3 Millionen Menschen mit Arzneien versorgt.
Die Aids-Forschung läuft indes auf Hochtouren. Der US-Pharma-Konzern Panacos Pharmaceuticals rekrutiert derzeit Versuchspersonen zum Testen von PA-457, einer neuen Art Viren-hemmender Medikamente. Fortschritte gibt es auch bei der Entwicklung eines Viren-abtötenden Mikrobizid-Gels.
Die Entdeckung eines Heilmittels oder eines Impfstoffes gegen Aids liegt jedoch noch in weiter Ferne. „Der HI-Virus schadet dem Immunsystem auf ungewöhnlich raffinierte Art durch seine Fähigkeit, sich immer wieder zu verändern“ , sagt Anthony Fauci, Direktor des US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID).