Dem Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen muss nach Meinung von Experten jetzt eine stärker inhaltliche Förderung von Kindern und Jugendlichen folgen. Nur mit "qualitativem Ausbau" könnten Bildungspotenziale aktiviert, Benachteiligungen abgebaut und die Start- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen verbessert werden. Dies ist das Fazit der von der Bundesregierung eingesetzten Jugendberichtskommission, die am Donnerstag in Berlin den 14. Kinder- und Jugendbericht vorstellte.

Die Betreuung von Kindern und Jugendlichen sieht die Kommission "insgesamt auf einem guten Weg". Es gehe aber nun darum, das Aufwachsen "in öffentlicher und privater Verantwortung aktiv zu gestalten", sagte das Kommissionsmitglied Prof. Thomas Rauschenbach. Erziehung könne nicht mehr allein nur Privatsache der Eltern sein. Es reiche aber auch nicht, dass Kinder in Ganztagsschulen außerhalb des Unterrichts nur gut aufgehoben seien.

Durchaus kritisch sehen die Experten, dass Kinder immer früher mit Computer, Internet und Handy aufwachsen und sich wie selbstverständlich in sozialen Netzwerken tummeln. Selbst hier gebe es - abhängig vom Bildungsstatus - "digitale Ungleichheiten", sagte das Kommissionsmitglied Prof. Nadia Kutscher.

Soziale Ungleichheit reproduziere sich auch im Bereich des Internets. Drei Viertel der Jugendlichen, die sich in sozialen Netzwerken austauschen, seien Mitglieder bei Facebook. "Wir haben da eine Monopolstellung eines sozialen Netzwerkes, das datenschutzmäßig hoch problematisch ist." Jugendliche erlebten das aber als alternativlos, weil sie als Nichtmitglied aus den Kommunikationsstrukturen ausgeschlossen seien.

Die jährlichen Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland haben sich zwischen 1992 und 2011 mehr als verdoppelt - von 15 auf 30,5 Milliarden Euro. Rund 60 Prozent davon gingen in den Kindergartenbereich, ein Viertel in Erziehungshilfen. Bei einer rückläufigen Zahl von Kindern und Jugendlichen stieg die Zahl dieser Fälle seit den frühen 1990er-Jahren von 490 000 auf etwa 780 000.

Die Autoren des Berichts warnten vor einer finanziellen Überforderung der Kommunen und plädierten für ein stärkeres Engagement des Bundes. Die Bundesregierung sieht ihre Politik durch die Kommission bestätigt. Junge Menschen müssten in jeder Lebensphase angemessen gefördert werden, jeder Junge und jedes Mädchen solle faire Chancen erhalten, sagte eine Vertreterin des Familienministeriums.