Lassen die Schilderungen von Elfriede L. den schweigsamen, bieder und harmlos wirkenden Angeklagten doch in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Die Frau, die seit 1980 mit W. zusammenlebte, beschreibt den Vater ihrer drei Kinder als einen cholerischen Wüterich, dem sie nichts habe recht machen können. Bei geringstem Anlass sei er ausgerastet, habe herumbrüllt und zugeschlagen. "Als ich ihn rausschmeißen wollte, drohte er mir, dass ich schon sehen würde, was dann passiert", erzählt Zeugin Elfriede L., die eigenen Angaben nach um Unterhaltszahlungen des Angeklagten für die drei Kinder habe kämpfen müssen. "Bei einem Streit wusste man nie, ob er gleich zuschlägt."
Panische Angst vor W. ist wohl auch der Grund dafür, dass Frau L. acht Jahre lang ihre Mitwisserschaft an einem grausamen Verbrechen verschwieg. Am Vormittag des 1. Juli 1997 soll der Angeklagte die damals 23 Jahre alte Heike Nagler und den gemeinsamen vier Monate alten Sohn Göran ermordet und in einem Waldstück nahe des Frankfurter Ortsteils Lossow verscharrt haben. Das Motiv: Der bereits sechsfache Vater hatte keine Alimente für das Kind zahlen wollen. Zeugin L. erfuhr noch am mutmaßlichen Tattag von dem Doppelmord. Das hat sie am dritten Verhandlungstag vor Gericht bestätigt.
Nach der Arbeit waren sie und W. demnach zum Haus ihres verreisten Bruders nach Lossow gefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Dort gestand ihr der Angeklagte demnach sein Verhältnis mit Heike Nagler. Die junge Frau sei ihm allerdings wegen der Vaterschaftsanerkennung "für ihren Bastard auf den Sack gegangen". Deswegen habe er ihr einen Schlag mit der Handkante ins Genick versetzt, Heike Nagler sei umgefallen und nicht mehr aufgestanden. "Du hast sie totgeschlagen, musst Dich stellen oder ich gehe zur Polizei", will die Zeugin den mutmaßlichen Doppelmörder in einer ersten Reaktion bedrängt haben. Der aber bedrohte sie in bekannter Art und Weise, dass er ihr selbst aus dem Gefängnis heraus noch etwas antun könne, wenn sie nicht schweigen würde.
"Klaus packte anschließend einen Spaten in den Kofferraum des Autos und wir fuhren zu dem Wäldchen." Der Angeklagte verschwand in den Büschen, die Zeugin hörte ihn graben und hacken. Als Elfriede L. ein Stückchen näher trat, sah sie ihren Lebensgefährten brusttief in einer Grube stehen. Nach einer halben Stunde war er schließlich zum Auto zurückgekommen, hatte den Spaten sauber gemacht und sie fuhren los. "Zu Hause musste ich sofort seine Kleidung waschen, die Schuhe warf er weg." Als die eingeschüchterte Frau Tage später nach dem Verbleib von Baby Göran fragte, machte ihr der Angeklagte unmissverständlich klar, dass der Kleine auch dort sei, "wo die Heike liegt". Auch die Zeugin selbst sollte dort landen, wenn sie irgendjemandem etwas erzählen würde, drohte W. erneut.