Um so mehr konnten die Liberalen gestern Abend im Berliner Thomas-Dehler-Haus triumphieren. Als die ersten Wahl-Prognosen über die Bildschirme flimmerten, lagen sich viele in den Armen. Nach neunjähriger Abstinenz kehren die Blau-Gelben in den niedersächsischen Landtag zurück. Und in Hessen legte die Partei ebenfalls zu. FDP-Chef Guido Westerwelle fasste seinen Seelenzustand in drei Worte: „Wir sind glücklich.“
Den „Schönheitsfehler“ umging Westerwelle geflissentlich. Denn in Hessen wird die FDP die Regierungsbänke räumen müssen, weil die Union eben noch unvergleichlich stärker gewonnen hat und das Regieren jetzt allein besorgen kann. In manchen Grüppchen wurde zwar über die Möglichkeit einer weiteren Machtteilhabe getuschelt, zumal CDU-Spitzenkandidat Roland Koch entsprechende Signale ausgesendet hatte. Doch die meisten verwarfen den Gedanken. „Wir würden uns lächerlich machen“ , meinte der Chef der Jungliberalen, Daniel Bahr. Schließlich sei das Durchsetzungsvermögen der FDP bei einer absoluten Unionsmehrheit „gleich Null“ . Bundespolitisch ist die Wahl für die Liberalen super gelaufen. Und Westerwelle wurde nicht müde, dies herauszustellen: „Aufwärtstrend“ trotz Möllemann, der „Irak-Joker“ des Kanzlers hat nicht gezogen und die Bundesregierung sei wegen ihrer „bürokratischen Staatswirtschaft“ vom Wähler abgestraft worden - „am heutigen Abend beginnt das Ende von Rot-Grün“ , rief Westerwelle aus.
Bei den Ökos sah man das anders. Die Stellungnahme von Parteichefin Angelika Beer in der Berliner Bundesgeschäftsstelle klang allerdings stark nach vorher einstudierten Floskeln. Motto: Augen zu und durch. Sicher, auch die Grünen haben in beiden Bundesländern Boden gut gemacht. Doch zum Mitregieren hat es nicht gereicht - die SPD blieb hoffnungslos auf der Strecke. „An der Bundespolitik ändert sich nichts, auch wenn es jetzt schwieriger wird“ , gab sich Beer tapfer. Woran es gelegen haben könnte? Vielleicht müsse Rot-Grün die Reformen „besser erklären“ .
In Erwartung der Wahlergebnisse ließen sich auch nur Beer und Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke blicken. In der FDP-Zentrale mischte sich ein großer Teil der Führungskräfte unters feiernde Liberalen-Volk. So brannten bei der FDP die Lichter noch bis in die Nacht. Bei den Grünen war es da schon längst zappenduster.