Wenn etwas fehlt nach einem halben Jahr Landespolitik ohne FDP, dann Sprüche wie dieser: "Wir sind genug gequält worden. Es wird Zeit, dass wir mal zurückquälen." Die Lizenz zum Quälen hat der 46-jährige Holger Zastrow seinen Liberalen ein weiteres Mal abgerungen. Mit 58,2 Prozent wählte Sachsens FDP den Werbeunternehmer aus Dresden wieder als Landeschef. Zastrow erhielt 145 der 249 abgegebenen Stimmen.

Soweit nichts Neues. Beachtlich war dann doch der Rest des Wahlergebnisses, bekannt gegeben am Sonnabendnachmittag in der Arena im mittelsächsischen Hartha. Neben zehn Enthaltungen stimmten 33 Delegierte gegen die Wahl. 61 Liberale wählten den Gegenkandidaten, Heinz-Peter Haustein.

"Dass man mal eine Auswahl hat", deshalb war der 60-jährige Bürgermeister von Deutschneudorf gegen Zastrow in den Ring gestiegen. Der erste Gegenkandidat seit Jahren.

Nicht irgendeiner zudem, der Ex-Bundestagsabgeordnete und berühmte Bernsteinzimmer-Sucher ist einer der wenigen in der Sachsen-FDP, die noch Wahlen gewinnen. Jedenfalls im ur-liberalen Rand-Erzgebirge.

Doch als einen ernsthaften Wackler am Thron des langjährigen Chefs Holger Zastrow sahen die wenigsten Hausteins Kandidatur. Auch nicht den Umstand, dass in Hartha fast die Hälfte der Liberalen gegen ihren langjährigen Vorsitzenden votiert hatten. "Irgendwo muss man halt mal seinen Dampf ablassen", kommentierte ein Delegierter mit Achselzucken.

Auf Bundesebene geht das für die Liberalen nicht mehr, auf Landesebene auch nicht, bleibt nur die Landesvorstandswahl. Zastrow selbst sieht seine Wiederwahl als logische Folge des Wahldesasters. "Wir wissen alle, dass es Leute mit Erfahrung an der Spitze braucht, um aus dieser schweren Situation herauszukomme", sagte er dazu.

Die FDP, die da zusammentraf in einer gepimpten Turnhalle mitten in Mittelsachsen, steckt in der Krise. Die Mitgliederzahl ist auf 2100 zurückgegangen. 20 Bürgermeister stellt die Partei. Der derzeit stärkste liberale Amtsträger, Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert, will am 7. Juni zum OB gewählt werden.

Der 43-Jährige hat zwar viele Sympathien auf seiner Seite - doch seine Partei kann das Verlierer-Image nicht abschütteln. Schon bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 setzte die FDP deshalb vielerorts auf freie Kandidaten. Und holte dadurch landesweit 353 Mandate.

Doch die Krise hat auch handfeste Folgen: Das Geld wird knapp. Ein Minus von 300 000 Euro belastet die Kasse der Liberalen, seitdem die keine Staatsminister und keine Landtagsabgeordneten mehr stellen. Um den 620 000 Euro teuren Landtagswahlkampf zu stemmen, steuerte die Basis ein Drittel der Kosten in Spenden bei. Die Zentrale in Dresden zu vermieten, dazu konnte sich die Parteispitze nicht durchringen.

Es geht um Rückbau in Hartha, auch wenn keiner am Pult dieses Wort benutzt. Stattdessen ist die Rede von der Rückeroberung verschreckter Zielgruppen und von Neuaufstellung.

Das mit zumindest teilweise neuem Personal. Die drei neuen Stellvertreter heißen Anja Jonas, Robert Malorny und René Hobusch. Neuer Schatzmeister wird Ex-Verkehrsstaatssekretär Roland Werner. Generalsekretär bleibt Torsten Herbst, gewählt mit 79 Prozent.