Zweierlei versprach FDP-Landeschef Holger Zastrow, als seine Partei vor einem halben Jahr aus dem Landtag flog. Erstens: "Wir kommen wieder." Zweitens: "Wir werden von außen Druck machen." Doch Ersteres wird mindestens noch viereinhalb Jahre dauern. Und das mit dem Druck erledigen derzeit andere wirkungsvoller, die islamkritischen Abendspaziergänger von Pegida zum Beispiel.

Zastrow meldet sich dieser Tage wieder öfter als mahnende Stimme aus dem Off. Er schimpft auf die erhöhte Aufwandspauschale für Sachsens Parlamentarier. Die sei "unerklärlich und frech" und rieche nach fraktionsübergreifender Trickserei. Er fordert den Erhalt der Schreibschrift. Er fordert eine Verlängerung des Schulschließungsstopps - ein einstmals Lieblingsprojekt der FDP. Es ist der Versuch, vor dem Parteitag an diesem Wochenende das liberale Grundrauschen aufzudrehen. In Hartha stehen an diesem Sonnabend Vorstandswahlen an. Hartha wird ein Prüfstein für den 46-jährigen Zastrow.

Seit 16 Jahren bestimmt der Werbeunternehmer aus Dresden die Geschicke der Sachsen-FDP. Nach der gescheiterten Landtagswahl 1999 übernahm Zastrow das Ruder im FDP-Landesverband. Mit Zastrow schaffte die FDP nach 2004 nach zehn Jahren den Wiedereinzug in den Landtag. Mit Zastrow kletterte die Partei 2009 auf zehn Prozent und damit in die Koalition mit der CDU. Mit Zastrow fiel die Partei 2014 ins Bodenlose. Verantwortlich für Erfolg und Misserfolg war der eigenwillige Kurs des Hünen mit der großen Klappe. Er setzt auf den sächsischen Weg. Gegen die Bundespartei, gegen die anderen Parteien. Mit einem lokal verankerten Graswurzel-Kurs schrammte die FDP im Wahlkampf 2009 an der Wand rechts von der CDU und sammelte die Protestwähler ein, die 2014 zur AfD abwanderten.

Das Mitleid der anderen hielt sich entsprechend in Grenzen. Der alte Koalitionspartner CDU bedauerte noch am ehesten das Abrutschen des "eigentlich natürlichen Partners FDP", wie es aus der Unionsspitze heißt. Zastrow betont zwar gern, dass sich der eigenständige Kurs ausgezahlt hätte. Doch in den fünf Jahren liberaler Regierungsbeteiligung kam nicht viel mehr als eine Initiative für Heimatkennzeichen, Sonntagsöffnung für Autowaschanlagen und ein Feldzug gegen Windräder. Doch bislang sitzt Holger Zastrow sicher im Sattel. Immer gelang es ihm, Revolten an der Basis klein zu halten.

Als die Liberalen am 31. August mit bitteren 3,8 Prozent am Wiedereinzug ins Landesparlament scheiterten, quälte sich die Landesspitze einen Rest Optimismus ab. Man sei enttäuscht, aber nicht resigniert, hieß es da. Man habe schon schlechtere Zeiten gehabt, hieß es dort. Bis auf Weiteres ist Zastrows Wirkungskreis auf Dresden beschränkt, wo er noch im Stadtrat sitzt.

Indes, Dresden könnte der Partei wieder Aufwind bescheren. Hier will der Liberale Dirk Hilbert am 7. Juni zum Oberbürgermeister gewählt werden. Der 43-Jährige dürfte zwar als FDP-Mann nur Außenseiterchancen haben. Doch Hilberts Vorteil: Er geht als Amtsinhaber in die Wahl. Seit Anfang März leitet der Erste Bürgermeister die Amtsgeschäfte kommissarisch nach dem Rücktritt von Helma Orosz (CDU). Der Verein "Unabhängige Bürger für Dresden" hat Hilbert als parteiübergreifenden Kandidaten nominiert.