. Es war nach den teils dramatischen Parteitagen der vergangenen Jahre eine ruhige, um Geschlossenheit bemühte Veranstaltung, die der FDP-Parteitag am Samstag in Fürstenwalde bestritt. Beraten wurde das Grundsatzprogramm, eine Fleißarbeit der vergangenen Monate.

Mit Blick auf die Piraten

Auffällig daran wiederum war vor allem das Engagement, das die jungen Mitglieder der Partei auf diese Debatte verwendeten. Von den Jungen Liberalen kamen bis zur letzten Minute zahlreiche Änderungsanträge. Und die waren erkennbar geprägt von dem Bemühen, der neuen politischen Konkurrenz, der Piratenpartei, Paroli zu bieten. Deren zentrale Inhalte wie beispielsweise die kostengünstige Nutzung von Internet-Inhalten, finden sich jetzt genau so im FDP-Katalog wie das Bemühen, die eigene, innerparteiliche Entscheidungsfindung stärker der modernen Kommunikationstechnologie anzupassen.

Zuvor hatten Landeschef Gregor Beyer, der Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner und das Bundesvorstandsmitglied Linda Teuteberg deutlich werden lassen, dass aus ihrer Sicht die FDP, die sich laut Beyer "in keiner einfachen Lage befindet", bundespolitisch wieder deutlicher Profil zu zeigen hat. Das Paradebeispiel dafür war aus Sicht des Führungstrios die Schlecker-Insolvenz und die Weigerung der Liberalen, darauf mit zusätzlichen Steuergeldern zu reagieren. Dafür gab es ordentlichen Beifall der Delegierten.

"Kämpfen, kämpfen, kämpfen"

Die scheinen mehrheitlich auch zufrieden zu sein mit der Leistung der neuen Partei- und Fraktionsführung. Dem Grundsatzprogramm stimmte der ganz auf Harmonie getrimmte Parteitag dann auch einstimmig zu. Mit diesem 30-seitigen Text wollen die Liberalen, so Beyer, jetzt "kämpfen, kämpfen, kämpfen", um nach der nächsten Wahl stark genug für eine Regierungsbeteiligung in Potsdam zu sein. Und sie hoffen darauf, dass der einstige Bundesgeneralsekretär Christian Lindner demnächst in Nordrhein-Westfalen ein akzeptables Wahlergebnis einfährt.

Hans-Peter Goetz, einige Monate Chef der Landtagsfraktion und dann im August 2010 von Büttner abgelöst, probierte dennoch in einer mit Detailangaben zu einem Arbeitsgerichtsverfahren einer Mitarbeiterin gespickten Rede den Aufstand gegen die Männer und Frauen, die ihn vor gut einem Jahr verdrängten. Das fand aber genau so wenig Resonanz wie seine ausführliche Begründung einer Klage vor dem Verfassungsgericht gegen die eigene Fraktion.

Goetz musste sich in Folge eine ganze Kette von Redebeiträgen anhören, die seinen Auftritt kritisierten. Zuvor hatte Beyer schon in Erwartung solch einer Intervention vom Dreiklang "Gerücht-Geschwätz-Blockade" geredet. Die lange von internen Querelen gequälte FDP will sich jetzt, so klang es immer wieder an, nicht mehr vor allem mit sich selbst, sondern mit dem politischen Gegner beschäftigen.

Rätsel um Lanfermann

Der einstige starke Mann der Landespartei und Ziehvater von Goetz, der Bundestagsabgeordnete Heinz Lanfermann, zog es da vor, zu schweigen und nach wenigen Stunden zu gehen. Am Vorabend hatte er bei einer Vorstandssitzung der Partei vieldeutig erklärt, die nächste Bundestagswahl im Jahr 2013 sei nicht länger seine persönliche Sache. Und so wurde auf dem Parteitag dann auch gerätselt, ob dies tatsächlich Lanfermanns Abschiedsvorstellung gewesen sein könnte.