Es gibt Tage, an denen kommt es knüppeldick. Am Dienstag musste die FDP-Parteizentrale erst zähneknirschend den schlimmsten Mitgliederschwund seit 15 Jahren kommentieren. Dann kam die Nachricht dazu, dass der künftige Generalsekretär und Hoffnungsträger Patrick Döring wegen Fahrerflucht zu einer Geldbuße verdonnert wurde. Er hatte in Hannover mit seinem Wagen den Außenspiegel eines parkenden Autos demoliert und war weitergefahren.

Absturz auch in Umfragen

Die 1500 Euro, die Döring berappen muss, sind dabei sicher leichter zu verschmerzen als die über 5000 Mitglieder, die allein seit Ende 2010 die Partei verlassen haben. Noch vor zwei Jahren waren rund 6500 Bürger in Erwartung des triumphalen Abschneidens der FDP bei der Bundestagswahl bei den Liberalen eingetreten. Mit aktuell 63 416 Mitgliedern ist der Tiefpunkt von 62 721 aus dem Jahr 2000 nicht mehr weit.

Parallel setzte der beispiellose Absturz der Regierungspartei von 14,6 Prozent bei der Wahl 2009 auf nur noch zwei bis drei Prozent in den Umfragen ein. Dazu gab es 2011 Wahlniederlagen in Serie, in Berlin mit 1,8 Prozent die bitterste. Was sagt Philipp Rösler dazu? Der Parteichef, Vizekanzler und Wirtschaftsminister hat sich seit Weihnachten in sein Haus in Hannover zurückgezogen.

Dort bereitet sich der 38-Jährige auf seine Rede zum Dreikönigstreffen am kommenden Freitag in Stuttgart vor. Führende FDP-Leute erwarten einen großen Wurf, eine Ruck-Rede, um die demoralisierte Partei mit Blick auf die Landtagswahl im Mai in Schleswig-Holstein aufzurichten. Das rhetorische Potenzial besitzt Rösler, doch ob er dem größer werdenden Druck dauerhaft gewachsen ist, daran zweifeln in der FDP immer mehr.

Die Parteizentrale will zum Inhalt der Rede nichts sagen. Rösler werde bis zum 6. Januar keine Interviews zur Lage der Liberalen und zur strategischen Aufstellung geben, heißt es. Möglich scheint, dass Rösler einen neuen, griffigen Slogan prägen will, der auf die Existenzberechtigung der FDP abzielt. Eng abstimmen wird sich Rösler dabei mit seinem Vertrauten Döring, der zu Dreikönig nun in mehrfacher Hinsicht im Blickpunkt stehen wird.

Mit dem Rücktritt des frustrierten Generalsekretärs Christian Lindner war die Boygroup aus Rösler, Lindner und NRW-Landeschef Daniel Bahr endgültig zerbrochen. Sollte sich die Krise weiter verschärfen, könnten neue Bündnisse und Machtverhältnisse entstehen.

Westerwelle entspannt

Sichtlich entspannt tritt seit einiger Zeit wieder Guido Westerwelle auf, der in Umfragen unbeliebteste aller Bundesminister. Auf dem Frankfurter Euro-Parteitag im November stahl der Außenminister Rösler mit einer leidenschaftlichen Sieben-Minuten-Rede ein bisschen die Show. Am Dienstag feierte Westerwelle seinen 50. Geburtstag. Gut 100 Freunde lud der frühere Parteivorsitzende zur Party in sein Haus auf Mallorca ein, darunter langjährige Parteifreunde. Rösler, der im Frühjahr Westerwelle von der Spitze verdrängt und später empfindlich gedemütigt hatte, wurde nicht gesichtet. Westerwelle soll für den 15. Januar beim Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen FDP in Düsseldorf einen innenpolitischen Aufschlag planen. Was dahinter steckt, ist offen. Möglicherweise ein Fingerzeig an Rösler und Bahr, strategisch endlich zu Potte zu kommen, bevor es zu spät ist. Viele Liberale setzen längst darauf, dass im Verlauf des nächsten Jahres Rainer Brüderle das Kommando übernehmen muss. Seit einiger Zeit gibt es Wirbel, weil der Fraktionschef nicht bei Dreikönig sprechen wird.

Aus der Parteispitze verlautete dazu, es habe schon vor längerer Zeit zwischen Rösler und Brüderle eine Verständigung gegeben, die auch im Präsidium niemand infrage gestellt habe. Brüderle spricht nun wie üblich beim Landesparteitag der baden-württembergischen FDP am Tag zuvor (5. Januar) ein Grußwort. Eine programmatische Rede soll es nicht werden. Doch auch Grußworte können es in sich haben.