Es war ein seltsames Paar, das tagelang die Bühne im New Yorker UN-Hochhaus beherrschte. Mit zäher Geduld zogen die UN-Diplomaten der USA und Frankreichs in schleppender Schrittfolge übers diplomatische Parkett, ehe sie einen gemeinsamen Takt fanden. Nach langem Verhandlungsreigen legten die beiden Länder am Wochenende einen Entwurf für eine gemeinsame Resolution des Rats zur Libanon-Krise vor. Ein machtvolles Statement, so war die Hoffnung, könnte einen Weg aus der Krise weisen. Doch der vorliegende Entwurf gibt Rätsel auf: Wo ist der Weg, was ist das Ziel?
„Die internationale Gemeinschaft hat die diplomatische Kontrolle über die Vorgänge verloren“ , urteilt der Nahost-Experte Shibley Telhami vom renommierten Brookings Institut in Washington. Ein rascher Weg zum Frieden sei das Dokument nicht. Der Text fordert zwar eine „Einstellung der Feindseligkeiten“ im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah; damit hat sich Frankreich gegen die USA durchgesetzt. Doch verlangt der Text weder, dass Israel seine Truppen von libanesischem Gebiet zurückzieht, noch, dass die Hisbollah die beiden entführten israelischen Soldaten freilässt.
Zwischen dem Beginn der israelischen Offensive am 12. Juli und der Vorlage des UN-Entwurfs vergingen mehr als drei Wochen. Telhami wirft dem Sicherheitsrat vor, durch sein zögerliches Vorgehen wertvolle Zeit vergeudet zu haben. „Die Dinge sind so weit vorangeschritten, dass die Uno von den Beteiligten wohl nicht mehr ernst genommen wird.“ Zu sehr hätten sich Israelis und die Hisbollah inzwischen ineinander verhakt. Die Hisbollah sehe es als ihren eigenen „militärischen Erfolg“ an, dass sie auch nach mehr als drei Wochen israelischer Angriffe immer noch nicht besiegt ist. „Die Hisbollah wird sich nun nicht auf diplomatischem Feld geschlagen geben“ , warnt Telhami.
Unklar bleibt in dem Entwurf, wie die geplante UN-Schutztruppe aussieht, die die Kontrahenten in einer Pufferzone im Südlibanon auseinanderhalten soll. In dem französisch-amerikanischen Entwurf wurde die Frage auf eine weitere, noch auszuarbeitende Resolution verschoben.
Nach Einschätzung von Linda Jamison vom Center for Strategic and International Studies in Washington steht die schwierigste Aufgabe damit dem Sicherheitsrat noch bevor. „Es wird sehr schwer, eine solche Mission auf die Beine zu stellen.“ Völlig unklar seien noch der Zeitrahmen, die Herkunft der Truppen, ihr Auftrag und die Führungsmacht. „Nicht einmal darüber ist sich die internationale Gemeinschaft derzeit einig“ , sagt Jamison.
Bei den Konfliktparteien stieß der Entwurf auf ein geteiltes Echo, was seine Wirksamkeit schwächen dürfte. Die libanesische Regierung lehnte den Entwurf ab. Ministerpräsident Fuad Siniora bewertete ihn als „nicht angemessen“ . In Beirut wurde bemängelt, dass der Text nicht entschieden genug ein Ende der israelischen Angriffe fordere. Die israelische Regierung sagte zu, den Text zu prüfen.
Große Begeisterung entfachte der Entwurf auch auf der Seite der Urheber nicht. Zwar sei Präsident George W. Bush „froh“ über die Einigung auf das Papier, sagte US-Präsidentensprecher Tony Snow. „Doch macht er sich keine Illusionen über das, was noch vor uns liegt.“

Zum Thema Schwere Gefechte
 Bei Raketenangriffen der libanesischen Hisbollah-Miliz auf Nordisrael sind gestern mindestens 15 Menschen getötet und mindestens 37 weitere verletzt worden. Bei schweren Bodenkämpfen im Südlibanon wurden unterdessen laut israelischer Armee mindestens 19 Hisbollah-Milizionäre und ein israelischer Soldat getötet. Bei einem israelischen Luftangriff kamen fünf libanesische Zivilisten ums Leben. In Nakura gerieten gestern drei chinesische Blauhelmsoldaten ins Kreuzfeuer und wurden verletzt.