Die israelische Armee hatte vor Beginn der Stationierung der Libanesen den Rückzug ihrer Truppen eingeleitet und mehrere Stellungen an die UN-Truppe UNIFIL übergeben, die gemeinsam mit den Libanesen für Sicherheit in dem Gebiet sorgen soll.Der gesamte Einsatz zur Stationierung werde bis zu vier Tage dauern, sagte ein libanesischer Armeesprecher. Heute trafen die ersten libanesischen Soldaten in Mardschajun, sieben Kilometer von der Grenze entfernt, ein. Um die durch die zerstörten Straßen behinderte Stationierung zu beschleunigen, wurde ein Teil der Soldaten auf dem Seeweg vom Norden nach Tyrus gebracht.

Der Libanon hatte die Verlegung von zunächst 2500 Soldaten angekündigt. "Dies ist die Phase eins", verlautete in Beirut aus Armeekreisen. Die libanesischen Soldaten sollen zunächst auf Brücken in verschiedenen Orten Stellung beziehen. "Die Streitkräfte werden von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen unterstützt", sagte ein Sprecher. Bis zu 15 000 libanesischen Soldaten sollen zusammen mit UN-Truppen Angriffe der seit Jahren im Südlibanon operierenden pro-iranischen Hisbollah auf Israel unterbinden.

Die israelische Armee zog sich nach eigenen Angaben bereits aus weiten Teilen des Südlibanons zurück. An mehreren Stellen seien bis zu zwei Drittel der Gebiete zwischen der Grenze und dem Fluss Litani an die UN-Truppen (UNIFIL) übergeben worden, sagte ein Militärsprecher in Tel Aviv. Auch das libanesische Gebiet nördlich der israelischen Grenzstadt Metula werde von den UN-Truppen kontrolliert. Bis morgen sollten zudem alle im Libanon eingesetzten israelischen Reservisten das Land verlassen.

Erstmals seit Beginn des Krieges am 12. Juli wurde der Beiruter Flughafen wieder für den zivilen Flugverkehr geöffnet. Als erstes Passagierflugzeug landete am Donnerstag eine Maschine der nationalen libanesischen Fluggesellschaft MEA. Die Maschine habe die Passagiere umsonst von Amman nach Beirut gebracht, sagte ein Mitarbeiter der Flughafengesellschaft. Der Flughafen war zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen von der israelischen Luftwaffe bombardiert und beschädigt worden.

Drusenführer Walid Dschumblatt erklärte heute in seinem Palast in Muchtara, die Hisbollah könne nicht gewaltsam entwaffnet werden, "die Frage der Entwaffnung der Hisbollah sollte durch Dialog geklärt werden". Er kritisierte die Hisbollah jedoch für ihre aus seiner Sicht mangelnde Kooperation mit der Regierung: "Wo bitte ist der Staat, wenn (Hisbollah-Generalsekretär Hassan) Nasrallah sich hinstellt und im Namen des Volkes und der Nation spricht und handelt?"

Für die libanesische Armee ist es das erste Mal seit 1968, dass sie südlich des Litani-Flusses für Sicherheit sorgen soll. Erst hatte die Palästinenserorganisation PLO den Südlibanon zu ihrem Ausgangspunkt für den Kampf gegen Israel gemacht. Dann folgten der Bürgerkrieg, israelische Invasionen und Besatzung. Nach dem Abzug der Israelis im Jahr 2000 kontrollierten Hisbollah-Kämpfer das Gebiet.