"Der Osten Deutschlands blieb bei biographischen Nachschlagewerken bisher unterbelichtet."
 Andreas Bednarek


"Unsere Region hat eine Vielzahl von Persönlichkeiten herausgebracht, die auf den unterschiedlichsten Gebieten Bedeutendes geleistet haben", sagt Dr. Andreas Bednarek, Vorstandsmitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften (OLGW).
Nur leider gerieten ihre Leistungen größtenteils in Vergessenheit, da im Alltag nicht mehr viel an sie erinnere.
Dieser Entwicklung will Dr. Bednarek entgegenwirken: Durch ein biographisches Lexikon der Oberlausitz. "Die Ursprünge des Projektes liegen bereits sechs Jahre zurück", berichtet er. "Wir wurden darauf aufmerksam, dass für immer mehr Regionen biographische Nachschlagewerke herauskamen. Der Osten Deutschlands blieb dabei bisher jedoch unterbelichtet. Dies wollen wir gern ändern." Schließlich gebe es in der OLGW Vertreter der verschiedensten Wissensgebiete - gute Voraussetzungen also, um ein möglichst umfassendes Werk auf die Beine zu stellen.
Dass das Vorhaben dennoch relativ schwer "in die Gänge" kam, liegt an der Fülle des zu verarbeitenden Materials. "Seit Anfang dieses Jahres sind im Büro der OLGW in Görlitz zwei Damen mit der Erfassung beschäftigt", so Andreas Bednarek. "In dieser Zeit wurden 3500 Kurzeinträge ‚produziert'." Diese stellten allerdings nur das "Gerippe" dar, das "Fleisch" fehle noch. Um das Vorhaben voranzutreiben, wollen es die Initiatoren nunmehr auf breitere Schultern verlagern. "Wir arbeiten derzeit an einer auf der Basis der Wikipedia-Software beruhenden Internetpräsentation", erklärt Bednarek. Jeder Interessierte könne nach der Freischaltung ohne größere Hürden am biographischen Lexikon der Oberlausitz mitarbeiten - wenn auch zunächst nur an der Internetversi on.
"Natürlich müssen wir die Beiträge redaktionell überprüfen", so der Projektinitiator, der selbst in Görlitz ein "kunsttopographisches Büro" betreibt. In zehn Jahren habe man vielleicht quantitativ und qualitativ genügend Material für eine Druckausgabe zusammen.
Die Voraussetzungen für die Aufnahme einer Persönlichkeit in die "Internet-Version" sind laut Andreas Bednarek überschaubar: "Zunächst muss Der- oder Diejenige einen deutlichen Bezug zur Oberlausitz besitzen, also einen größeren Abschnitt seines Lebens hier verbracht haben."
Gesucht würden Persönlichkeiten aller Wirkbereiche - von der Politik über die Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zum Sport. "Wir wollen keinen Bereich aussparen", versichert Dr. Andreas Bednarek. Auch Personen, die heute negativ bewertet würden - etwa aus der NS-Zeit - sollen nicht ausgespart bleiben. Eine Grundvoraussetzung müssen alle Kandidaten jedoch zwingend erfüllen: Sie dürfen nicht mehr am Leben sein.