Eigentlich sollte Dr. Uwe Koch, verantwortlicher Referatsleiter im Brandenburger Kultusministerium, heute Abend in der Stadtverordnetenversammlung im Mühlberger Rathaus erläutern, welche Potenziale das EU-Kulturerbe-Siegel für die Stadt und die gesamte Region birgt. Deutschland schlägt für dieses europaweite Prädikat neben Stätten des Eisernen Vorhangs wichtige Orte der Reformationsgeschichte vor. Zu diesen zählt die Elbestadt durch die Schlacht von Mühlberg im April 1547. Das Gefecht zwischen katholischem Kaiser und lutherischen Kurfürsten entschied den Schmalkaldischen Krieg und gilt als Schlüsselereignis der deutschen Reformationsgeschichte. Wichtige Voraussetzung für die Vergabe des EU-Kulturerbe-Siegels ist die Umgestaltung und Neuprofilierung des Stadtmuseums mit dem Schwerpunkt der Schlacht von Mühlberg bis zum Jahr 2013. Etwa 900 000 Euro sind dafür laut einem vom Deutschen Museumsverband unterstützten Konzept veranschlagt, wobei 67 Prozent dieser Summe gefördert werden könnten.

Um so unfassbarer ist es für Koch, dass Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Jörg Fabian, ihn mit einem Schreiben vom 15. April wieder ausgeladen hatten. Begründung: In der vergangenen Sitzung der Stadtverordneten und des Hauptausschusses hätten sich die Abgeordneten mehrheitlich entschieden, den zum 1. Mai erforderlichen Förderantrag nicht zu stellen. Die Sanierung und Umgestaltung des Museums sei keine Pflichtaufgabe. Der städtische Eigenanteil in Höhe von etwa 297 000 Euro sei derzeit weder finanzier- noch verantwortbar.

,,Ich habe das mit Schmerzen und großer Verwunderung akzeptiert", sagte Dr. Koch am Montag der RUNDSCHAU. Er habe den Staatssekretär und die Ministerin informiert. Die Kulturinvestitionsmittel könnten nicht ewig für Mühlberg reserviert werden, andere Kommunen hätten ebenfalls berechtigte Ansprüche. Jüterbog, die nun als einzige brandenburgische Stätte der Reformation für das EU-Kulturerbe-Siegel vorgeschlagen werde, habe die damit verbundenen Chancen einer europaweiten Vermarktung für die Stadt und die Region verstanden und packe das Thema ganz engagiert an. Jüterbog habe ein mehrjähriges Konzept erstellt, plane Ausstellungen und Publikationen, so Koch.

Dieses Beispiel ist in Mühlberg nicht bekannt, dennoch überschlagen sich nun die Ereignisse, um das in Aussicht stehende EU-Kulturerbe-Siegel noch zu retten. Engagierten Bürgern ist es zu verdanken, dass das Thema erneut besprochen wird. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung werde über weitere Schritte informiert, kündigte Bürgermeisterin Hannelore Brendel am Dienstag an. ,,Noch bestehen Chancen", gab sie sich optimistisch.

Aus Mühlberg war zu erfahren, dass kurzfristig alle Beteiligten zu einem Gesprächstermin an einen Tisch geholt werden sollen. Uwe Koch versichert weiterhin Gesprächsbereitschaft, wobei er noch einmal unterstreicht, dass schnellstens ein verbindlicher Förderantrag aus Mühlberg erwartet wird. Mit dem Kulturerbe-Siegel für Mühlberg und auch den Perspektiven, die sich für das Schloss Doberlug auftun, bieten sich der Elbe-Elster-Region europaweite Vermarktungschancen.

Kein Wunder, dass auch der Landkreis großes Interesse an dem Projekt hat, wie der Erste Beigeordnete Peter Hans (CDU) bereits gegenüber der RUNDSCHAU versicherte. Entscheidungsträger ist jedoch die Stadt. Es gäbe durchaus Möglichkeiten, der Kommune bei der Eigenanteilbeschaffung hilfreich zur Seite zu stehen, war seitens der Kreisverwaltung signalisiert worden.