Bereits vor fünf Jahren war der Rückbau der Kraftwerkseinbauten abgeschlossen worden.

Der Grundstein für das jetzt gesprengte Werk III wurde im Oktober 1970 gelegt. Sechs Jahre später ging die Anlage mit zwei 500-Megawatt-Blöcken Leistung ans Netz. Die Gesamtleistung für das Kraftwerk Hagenwerder betrug damit 1500 MW. Zur damaligen Zeit war die Anlage damit eine der größten in Europa.

Bereits seit 1915 hatte es immer wieder Pläne in der Oberlausitz gegeben, am Tagebau Berzdorf ein Kraftwerk zu errichten. Doch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges scheiterten alle Versuche.

Erst 1958 ging der erste Block des Kraftwerks Hagenwerder in Betrieb.

Der Anfang vom Ende

Nach der politischen Wende in Ostdeutschland wurde 1991 zunächst das veraltete Kraftwerk I abgeschaltet. Im Jahre 1996 folgte der Block II. Und weil die Braunkohlevorräte aus dem Tagebau Berzdorf einen weiteren Betrieb von mindestens 15 Jahren nicht mehr erlaubt hätten, wurde auch das Kraftwerk III Ende 1997 stillgelegt. Ab 1998 begann dann die Demontage der Kraftwerksanlagen. Die Entkernungsarbeiten und der technische Rückbau wurden am Gebäudekomplex schon im Jahr 2006 abgeschlossen. Eine Umrüstung mit moderner Rauchgasentschwefelung und Entstaubung hätte sich für den Betreiber nicht mehr rentiert.

Das Kraftwerk Hagenwerder und der Tagebau Berzdorf hatten lange Zeit zu den größten Arbeitgebern im Raum Görlitz gehört. Zum Zeitpunkt der Stilllegung hat das Kraftwerk noch mehr als 600 Mitarbeiter.

Die jetzt erfolgte Sprengung des Maschinenhauses mit dem Bunkerschwerbau leitet die letzte Phase des Abrisses ein.

Die nach der Sprengung anfallenden Bauabfälle haben einen Umfang von etwa 70 000 Tonnen Beton. Die Beräumung des Geländes von Bauschutt wird voraussichtlich noch bis zum Februar 2017 dauern. Die Abfallstoffe sollen nach Vattenfall-Angaben verwertet werden. Entsprechende Vorprüfungen zur mineralischen Verwertung liefen bereits.

Fast 1000 Sprengladungen

Die jetzige Sprengung des Kraftwerkes war bereits seit Mitte September vorbereitet worden. Für die Sprengung des Bunkerschwerbaus wurden insgesamt 980 Löcher in die Stützen gebohrt, die mit insgesamt ca. 400 Kilogramm Sprengstoff gefüllt wurden.

Um alle Sprengladungen zeitgleich zünden zu können, war die Verlegung von mehr als einem Kilometer Sprengschnur erforderlich gewesen.

Gesprengt worden ist streng genommen dabei nur der einstige Bunkerschwerbau. Das Maschinenhaus wurde durch seine Verbindung mit dem Bau durch dessen Einsturz nur "hinterhergezogen".