Was ist von Durban zu erwarten?

Die Lage ist verfahren. Die USA führen die Fraktion bei den Verhandlungen von 195 Staaten an, die am liebsten ein „Laissez faire“ wollen. Jeder sagt, was er an einer Reduzierung der Ausstöße anbieten möchte und dann schaut man mal, was zu schaffen ist. Ziel in Durban ist es, zumindest beim Milliardenfonds für Klimaschäden – geplant sind 100 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2020 – und beim Waldschutz voranzukommen.

Was passiert mit dem Kyoto-Protokoll?

Im Kyoto-Protokoll, das im Jahr 2012 ausläuft und deren Teilnehmerstaaten 30 Prozent der Klimagasausstöße verursachen, waren verbindliche Ziele festgelegt worden. Möglich ist eine Fortführung für einige Jahre, in der Hoffnung, dass sich auch China und die USA in ein neues Abkommen einbinden lassen.

Ist das nicht viel zu wenig?

Eigentlich ja. Alle Kurven weisen dramatisch nach oben, sei es die Erderwärmung, vor allem aber auch der Meeresspiegel. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, spricht von einem „Endspiel für den Klimaschutz“. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, steige der Meeresspiegel bis 2100 um einen Meter. Nach Angaben von Brot für die Welt wären damit allein 17 Prozent der Fläche in Bangladesch überschwemmt, und 35 Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden. Um das Ziel zu erreichen, die Erd erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, müssten die CO{-2}-Emissionen bis 2050 aber um 80 Prozent sinken. Einige Südseeinseln wie Tuvalu fordern, dass die Erderwärmung sogar nur um 1,5 Grad Celsius steigen darf.

Warum wird nicht energischer umgesteuert?

Die Erdbevölkerung wächst mit derzeit sieben Milliarden Menschen weiter schnell an, der Energiehunger steigt rapide. Nach Angaben des US-Energieministeriums gelangten 2010 mehr als 33 500 Millionen Tonnen CO{-2} weltweit in die Atmosphäre – sechs Prozent mehr als 2009. Weltweit hat Kohle am Energiemix noch einen Anteil von 28,4 Prozent, Öl von 34,6 Prozent. Erneuerbare Energien machen 12,9 Prozent aus.

Was ist mit dem neuen Zauberwort Geoengineering?

Besonders in den USA träumt man davon, mit technischen Mitteln die Erderwärmung aufzuhalten – etwa die Sonne besser abzuschirmen oder mit Chemikalien Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu holen. „Es ist völlig verrückt, sich auf diese Bahn zu begeben“, sagt Schellnhuber. Jede Tonne CO{-2}, die auf diese Weise künstlich aus der Atmosphäre gezogen wird, koste schätzungsweise rund 1000 Dollar. Und: Wenn die Sonne nicht permanent abgeschirmt werde und es plötzlich eine längere Lücke gibt, müssten die Menschen und die Natur mit einem Schlag eine deutliche Erwärmung verkraften.

Was für weitere Ideen gibt es?

Der PIK-Ökonom Ottmar Edenhofer macht sich für Strafzölle auf CO{-2}-intensive Produkte aus Ländern stark, die nichts oder kaum etwas für den Klimawandel tun, damit sie nicht weiter billige Produkte auf Kosten des Klimaschutzes anbieten können. Eine CO{-2}-Steuer könnte helfen, den fossilen Energieverbrauch zu senken. Zudem müsse ein Subventionsabbau her: 2010 seien fossile Energieträger weltweit mit 409 Milliarden US-Dollar gefördert worden. Jede Tonne CO{-2} sei daher mit rund neun US-Dollar subventioniert worden.