Der genaue Ablauf des Abschieds von Cottbus-Nord wird von Vattenfall noch geheim gehalten. Nur so viel steht fest. Es wird am Mittwochnachmittag in der Grube eine Lichtshow geben, Reden und einen letzten geschmückten Kohlezug, der den Tagebau in Richtung Kraftwerk Jänschwalde verlässt. Der Bagger, der die letzte Kohle aus dem Flöz geschaufelt hat, steht dann wie die im August schon stillgelegte Förderbrücke zur Verschrottung bereit.

Auf diesem Bagger hat Uwe Zillmer als junger Facharbeiter 1981 sein Berufsleben als Bergmann begonnen. Wie ihm sein wird, wenn der letzte Kohlezug rollt? "Wahrscheinlich doch etwas wehmütig", sagt der 53-Jährige. Doch das Ende des Tagebaus sei ja planmäßig gekommen und schrittweise. Zeit, sich darauf einzustellen.

Zillmer wurde in Cottbus-Nord noch zu DDR-Zeiten Schichtleiter, inzwischen ist er Steiger. Den Bergmannsberuf aufzugeben, habe er nur kurz nach der Wende mal erwogen. Da stand der Tagebau für einige Monate still. "Wir waren alle verunsichert, keiner wusste genau, wie es weitergeht", erinnert er sich.

Heute ist er froh, dass er sich damals nicht nach einer anderen Arbeit umgeschaut hat: "Für mich ist Bergmann das, was ich immer machen wollte." Der Umgang mit der schweren Technik begeistert ihn. Als Schüler hat Zillmer den Bergbau an den in der DDR obligatorischen "Unterrichtstagen in der Produktion" kennengelernt. Die Arbeit gefiel ihm auf Anhieb.

Uwe Zillmer wurde in Koppatz geboren, ein Dorf, das nur einen Katzensprung vom Tagebau Cottbus-Nord entfernt liegt. Für diesen Tagebau wurden vier Orte und ein geschütztes Teichgebiet abgebaggert, der 500 Jahre alte Hammergraben verlegt. Die Kohle daraus wurde im Kraftwerk Jänschwalde verfeuert. Zu DDR-Zeiten, so Zillmer, ging es nur um Fördermengen. Bis zu zwölf Millionen Tonnen Rohbraunkohle pro Jahr wurden aus dem relativ kleinen Tagebau herausgebaggert. In den Wintern mit Unterstützung von Armee und Bereitschaftspolizei wie überall zu DDR-Zeiten im Revier. "In einem Jahr wurden sogar Leute aus den Büros geholt und auf die Geräte gesetzt", so der Bergmann.

Die technische Aufrüstung der Grube nach 1990 sei dagegen "ein gewaltiger Sprung nach vorn" gewesen. Die Fördermengen gingen rasch auf fünf bis sechs Millionen Tonnen pro Jahr zurück. Bis zum Schluss blieb Cottbus-Nord die einzige Grube in der Lausitz, in der die Kohlezüge zur Beladung direkt in den Tagebau unter die Fördertechnik fahren. In allen anderen Gruben wird die Kohle mit Förderbändern zu Verladestationen gebracht.

Vor zehn Jahren schon wurde mit der absehbaren Auskohlung von Cottbus-Nord das Personal mit der Mannschaft des benachbarten Tagebaus Jänschwalde zusammengelegt. Etwa 70 Bergleute wurden aus diesem Bereich inzwischen in die sächsischen Tagebaue Nochten und Reichwalde umgesetzt. Für Uwe Zillmer und die anderen bis zum Schluss in Cottbus-Nord tätigen Kumpel geht es nun in Jänsch walde weiter.

Doch vielen seiner Kollegen sei angesichts der Diskussionen um die Energiewende klar, dass der Braunkohlebergbau in der Region langsam schrumpft. Dass es nach dem geplanten Ende des Tagebaus Jänschwalde in etwa zehn Jahren noch mal einen neuen Tagebau Jänschwalde-Nord geben wird, glaubten viele nicht mehr. "Je nach Alter denkt man da vor allem an die eigene Perspektive." Doch Zillmer ärgert sich, wie viele seiner Kollegen, dass sie in der Energiedebatte als "Buhmann der Nation" herhalten müssten: "Ohne uns geht es nicht, das sieht man doch jeden Tag." Zillmer, der bis zur regulären Rente noch mehr als zwölf Jahre arbeiten muss, könnte sich vorstellen, auch eher in den Ruhestand zu gehen. Die Schichtarbeit habe bei ihm inzwischen gesundheitliche Spuren hinterlassen. In den Nachtschichtwochen falle es ihm zunehmend schwer, tagsüber Schlaf zu finden.

Wenn am Mittwoch der letzte Kohlezug aus Cottbus-Nord rollt, werden nur wenige Bergleute dabei sein, die wie Uwe Zillmer jahrzehntelang in dieser Grube gearbeitet haben. "Ich bin hier einer der letzten Dinos", sagt er und lacht. Im nächsten Jahr wird eine von Vattenfall in Auftrag gegebene Chronik dieses Tagebaus fertiggestellt. Zillmer will unbedingt ein Exemplar haben.

Zum Thema:
Beginn des Aufschlusses mit ersten Entwässerungsarbeiten 1975, drei Jahre später begann der Abtrag des Bodens über der Kohle. 32 bis 45 Meter dick war die Erdschicht über dem rund zehn Meter starken Kohleflöz, das sich in zwei Flözbänke aufspaltete. Der erste Kohlezug verließ im Frühjahr 1981 den Tagebau. Insgesamt wurden in Cottbus-Nord fast eine Milliarde Kubikmeter Abraum bewegt, um rund 220 Millionen Tonnen Kohle zu fördern. Der Tagebau umfasste eine Gesamtfläche von rund 2700 Hektar. Für den Tagebau wurden die Dörfer Tranitz, Groß Lieskow, Klein Lieskow und Lacoma mit insgesamt rund 900 Einwohnern abgebaggert.1900 Hektar ehemaliger Tagebaufläche werden in den kommenden Jahren zum Cottbuser Ostsee. In etwa zehn Jahren soll der dann größte künstliche See Brandenburgs fertig geflutet sein.Quelle: Vattenfall