. Am Ende des Gütetermins vor der Zivilkammer des Landgerichtes Cottbus gibt es doch noch Hoffnung, dass der seit mehr als einem Jahr mit harten Bandagen geführte Streit ein gutes Ende finden könnte. Doch das Fenster dafür ist schmal. Einigen sich die Volkssolidarität und Lore Seidel nicht in den kommenden zwei Monaten, verkündet das Landgericht Cottbus ein Urteil.

Lore Seidel ist von Beruf Arbeitsrichterin und saß bis Ende 2010 im geschäftsführenden Vorstand des Kreisverbandes, der mit zwei Millionen Euro Jahresumsatz in Oberspreewald-Lausitz auch ein wichtiger Arbeitgeber ist. Ob Seidel heute noch Vorstandsmitglied ist oder nicht, ist eine der rechtlich umstrittenen Fragen.

Eine andere, vermutlich folgenreichere Frage ist die, ob der Verein seit Anfang 2011 überhaupt einen rechtmäßigen Vorstand hat. Nur der ist jedoch befugt, Entscheidungen für den wirtschaftlich aktiven Verein mit rund 2000 Mitgliedern zu tätigen. Ende 2010 wurden Spannungen zwischen der Vereinsspitze und Vorstandsmitglied Lore Seidel deutlich, als sie die Höhe des Gehaltes der Geschäftsführerin kritisierte. Vorstandsneuwahlen wurden beschlossen zu einem Termin, an dem Seidel nicht dabei sein konnte. Im Februar 2011 versuchte sie mit einer Einstweiligen Anordnung vergeblich die Wahl zu verschieben.

Daraus hat sich inzwischen ein umfangreicher Zivilprozess entwickelt, wie die RUNDSCHAU öffentlich machte. Seidel klagt gegen die Wahlen im Februar und einen erneuten Urnengang im November 2011. Dazwischen lag ein umfangreiches Vergleichsangebot von Lore Seidel nach einem ersten Termin am Landgericht Cottbus. Dem hatte die Volkssolidarität nicht zugestimmt.

Im Gütetermin am Landgericht in dieser Woche wurde deutlich, dass die Volkssolidarität mit ihrer Haltung, es nun auf ein Urteil ankommen zu lassen, auf dünnem Eis geht. Richterin Kristin Klonowski wies darauf hin, dass es möglicherweise gleich mehrere Punkte gebe, die auch die Rechtmäßigkeit der zweiten Vorstandswahl im vorigen November infrage stellen.

Es geht dabei um Satzungen, Vorstandsbeschlüsse, Delegiertenschlüssel, die richtigen Unterschriften unter der Einladung zur Wahl. "Da ist sicher schon einiges schiefgelaufen", vermutet die Richterin nach den ihr bisher vorliegenden Akten. Den Nachweis der Rechtmäßigkeit der Wahl müsse der Verein erbringen. Lore Seidel versichert immer wieder, dass sie zu einer außergerichtlichen Einigung bereit sei: "Ich will einen Schlussstrich, gern auch mithilfe eines Schlichters." Doch die Einigung müsste nun ein größeres Paket umfassen, als der gescheiterte Einigungsversuch vom Vorjahr.

Denn inzwischen hat ein in großer Zahl in der Region verteilter Brief von Mitarbeitern der Volkssolidarität Südbrandenburg weiteres Öl ins Feuer gegossen. In dem Schreiben werden sehr persönliche Vorwürfe gegen Seidel erhoben. Das müsse in eine Einigung einbezogen werden.

Rechtsanwältin Anja Werner, die die Volkssolidarität vor dem Landgericht vertritt, erklärt zu Beginn der Sitzung, dass der Verein nicht zu Vergleichsverhandlungen bereit sein. Doch das ändert sich im Laufe der Verhandlung.

Vorher hat Richterin Kristin Klonowski davor gewarnt, dass sich so ein Verfahren "ziehen" könne. Auch nach einem Urteil müsse nicht Schluss sein, wenn eine Seite die nächste Instanz bemühe. Derweil stiegen die Kosten und der Verein habe keine Rechtssicherheit.

Als Seidel erklärt, dass sie auch aus dem Verein austreten würde, wenn man sich einige, will die Anwältin des Vereins diesem doch noch mal einen Einigungsversuch vorschlagen. Doch Seidel will keine Hängepartie mehr riskieren.

Über ihren Anwalt Volker Thummerer stellt sie deshalb Anträge an das Gericht. Damit beginnen Fristen. Zwei Monate haben beide Seiten nun Zeit, noch Schriftsätze an das Gericht zu reichen und parallel dazu sich um einen Vergleich zu bemühen. Kommen sie nicht überein, beginnt dann der lange, teure Weg durch die juristischen Instanzen, vor dem die Richterin gewarnt hat.