Als ersten Schritt für einen Neuanfang bei GM setzte die US-Regierung einen Chefwechsel durch: Der langjährige Konzernlenker Rick Wagoner wurde durch den bisherigen Vize und einstigen Europa-Chef Frederick Henderson ersetzt. In von US-Medien veröffentlichten Dokumenten geht die von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Sonderkommission hart ins Gericht mit den bisherigen Sanierungsplänen von GM und des kleineren Konkurrenten Chrysler. Ausdrücklich heißt es, möglicherweise werde ein Insolvenzverfahren die beste Lösung sein, in "schneller und chirurgischer Manier".Chrysler extrem unter DruckDie frühere Daimler-Tochter Chrysler betrachtet die US-Regierung den Unterlagen zufolge als eigenständig nicht überlebensfähiges Unternehmen. Der Autobauer hat auch nur 30 Tage Zeit bekommen, eine engere Zusammenarbeit mit dem Partner Fiat auf die Beine zu stellen. Dann könnten weitere sechs Milliarden Dollar gewährt werden, hieß es. Daimler hält noch knapp 20 Prozent an Chrysler, was dem deutschen Konzern bereits hohe Verluste bescherte. Bis zur Vorlage der endgültigen Pläne erhalten die zwei Hersteller eine Übergangsfinanzierung, um eine drohende sofortige Pleite zu vermeiden. Die Rufe nach Staatshilfe werden auch in Deutschland vor dem heutigen Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Rüsselsheimer Opel-Werk immer lauter. Die Bundesregierung macht ihre Entscheidung über staatliche Hilfen für Opel aber maßgeblich von dem Vorgehen der US-Regierung abhängig. Opel ist indes offenbar nicht mehr unmittelbar von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Unter Berufung auf Unternehmenskreise hieß es, die Abwrackprämie habe dem Unternehmen kurzfristig viele Aufträge beschert. Dadurch stimme die bisherige Aussage, Anfang des zweiten Quartals werde Opel die Liquidität ausgehen, nicht mehr.Opel braucht 2,6 MilliardenDer Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, erklärte nach einer Belegschaftsversammlung am Montag, dass nach dem bisherigen Konzept für die deutschen Opel-Werke 2,6 Milliarden Euro staatliche Hilfen notwendig seien. Darüber hinaus müssten in den Werken rund eine Milliarde Euro an Kosten eingespart werden. Er sieht in einer deutschen Opel AG mit einer Minderheitsbeteiligung des US-Mutterkonzerns ein "realistisches Konzept", dessen Umsetzung jetzt zügig in Angriff genommen werden müsse.