Die rund 80 Beschäftigten der städtischen Gubener Sozialwerke gGmbH (GSW) erhalten für Ihre Tätigkeit in der Pflege keine Wertschätzung vom Unternehmen und keine Wertschätzung von der Stadt Guben, die Eigentümerin des städtischen Unternehmens ist.

Bundes- und Landespolitiker aller Parteien kritisieren die Arbeitsbedingungen in der Pflege und fordern eine schnelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Aber in Guben bekommen die 80 Beschäftigten der städtischen GSW keine Unterstützung von der Gubener Kommunalpolitik. Damit sich die Arbeitsbedingungen verbessern, haben sich 30 Pflegekräfte und Pflegefachkräfte in der Gewerkschaft ver.di organisiert, eine betriebliche Tarifkommission gewählt und eine Tarifforderung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beschlossen.

Am 1. August 2019 hat die Gewerkschaft ver.di die städtische Gubener Sozialwerke gGmbH (GSW) zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Die Tarifverhandlungen wären nicht erforderlich, wenn die städtische Gesellschaft entweder Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband Brandenburg oder in der Paritätischen Tarifgemeinschaft geworden wäre.

Bei beiden Arbeitgeberverbänden besteht eine Tarifbindung mit der Gewerkschaft ver.di. Statt sofort Mitglied in einem dieser Arbeitgeberverbände mit Tarifbindung zu werden oder wenigstens sofort in Tarifverhandlungen zu treten, wurden die Gewerkschaft ver.di und die Beschäftigten drei Monate hingehalten.

Am 6. November 2019 hat der erste Verhandlungstermin stattgefunden. Der zweite Verhandlungstermin am 20. November 2019 wurde vom Geschäftsführer einseitig mit einer Verhandlungspause abgebrochen. Von Wertschätzung für die Arbeit in der Pflege kann da keine Rede sein.

Nur Mindestlohn für die Pflegekräfte

Die Beschäftigten der Stadtverwaltung Guben bekommen Tariflohn und Altersversorgung nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) mit 100 Prozent Westgehalt, einem Weihnachtsgeld in Höhe von 65 Prozent des Monatsentgeltes und am 24. und 31. Dezember jährlich einen Tag bezahlt frei.

Die Pflegekräfte (ohne dreijährige Fachausbildung; dies sind rund 50 Prozent des Pflegepersonals in der GSW) erhalten bislang nur den Pflegemindestlohn von derzeit 10,55 Euro (ab Januar 2020 10,85 Euro) und nur 190 Euro Weihnachtsgeld. Am 24. und 31. Dezember müssen die Beschäftigten der städtischen GSW arbeiten gehen. Wer an diesen Tagen dienstplanmäßig frei hat, bekommt dies nicht bezahlt, es sei denn, es wird an diesen Tagen Urlaub genommen.

Den Beschäftigten der städtischen Gubener Wohnungsgesellschaft mbH (GuWo) geht es da schon wesentlich besser als den Beschäftigten in der städtischen GSW. Beide Unternehmen werden von dem Geschäftsführer Herrn Reiher geführt.

Die Beschäftigten der GuWo haben seit Juli 2018 einen Tarifvertrag mit ver.di. Dieser sieht neben 300 Euro Urlaubsgeld ein 13. Monatsentgelt als Weihnachtsgeld sowie bezahlte freie Tage am 24. und 31. Dezember vor.

Fehlende Wertschätzung

In den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der städtischen GSW hat der Geschäftsführer 400 Euro Urlaubsgeld und nur 400 Euro Weihnachtsgeld ab 2020 angeboten. (...)

Jetzt kann jeder Leser selber einschätzen, wie viel Wertschätzung die Beschäftigte in der Pflege von der Stadt Guben und der Gubener Kommunalpolitik erhalten. Wie lange wollen die Gubener Kommunalpolitiker und der Gubener Bürgermeister dem Treiben in der städtischen Gubener Sozialwerke gGmbH (GSW) noch tatenlos zu sehen?

Die ver.di-Tarifkommission fordert für die Beschäftigten der Gubener Sozialwerke gGmbH ein Weihnachtsgeld in Höhe von 65 Prozent des monatlichen Entgeltes, freie bezahlte Tage am 24. und 31. Dezember bzw. ein anderen Tag ersatzweise frei, wenn die Beschäftigte am 24. oder 31. Dezember arbeiten müssen.

Reno Schwebs, Guben