„The times they are A-changing“, die Zeiten ändern sich, singt Bob Dylan im gleichnamigen Song aus dem Jahr 1964, der zu der aktuell schwierigen Zeit, die die aktuelle Corona-Pandemie mit sich bringt, passt.

Diese Veränderungen spüren die Lausitzer und Lausitzerinnen in Abhängigkeit von den bisherigen Lebensumständen mehr oder weniger. „Für einen Rentner ändert sich eigentlich wenig. Und solange man mit dem Hund noch in den Wald kann, ist alles gut“, schreibt etwa einer der Umfrageteilnehmer.

Auch andere Rentner machen diese Erfahrung, geben an, dass sich wenig bis nichts geändert hat durch die Corona-Pandemie.

Fast normal bis enorm belastend

Für die Lausitzer, die noch im Berufsleben stehen, hat sich, zumindest was den Bereich Job betrifft, nicht viel geändert: „Ich gehe ganz normal arbeiten, ich bin Verkäuferin, für mich hat sich nichts geändert“, schreibt eine Teilnehmerin. Auch andere geben an, dass sie weiterhin „normal arbeiten“ gehen.

Andere, die weiter arbeiten müssen, bemängeln Zusatzbelastungen durch Mehrarbeit oder Kinderbetreuung. Hier ein Ausschnitt der Antworten dazu:

„Ich arbeite im systemrelevanten Bereich (...). Das fühlt sich sehr komisch an und teilweise empfinde ich es als ungerecht und nicht genug gewürdigt. Einige andere Menschen können einfach bezahlt Zuhause bleiben und wir riskieren täglich unsere Gesundheit und die unserer Klienten“, heißt es etwa, oder: „Ich bin in der Pflege tätig und damit am Limit!!!“ Eine andere Teilnehmerin schreibt: „Die Belastung durch Kinderbetreuung und Job nimmt mich sehr in Anspruch.“

Einige der Teilnehmer geben auch an mehr arbeiten zu müssen, da sie zum Beispiel im Gesundheitsbereich tätig sind.

Während diese gar nicht die Möglichkeit haben, Homeoffice überhaupt in Anspruch zu nehmen, könnten das andere zwar, haben aber Probleme das umzusetzen: „Mit einem Kleinkind als Alleinerziehende ist der Alltag mit Homeoffice schwierig“ oder „Homeoffice ist nicht möglich. Es gibt eine Doppelbelastung wegen der Kinderbetreuung bis nachmittags und anschließend arbeiten bis in die Nacht“, heißt es da zum Beispiel.

Familie, Freunde und Hobbys fehlen

Trotz der teilweise unterschiedlichen Ausgangssituationen vermissen viele der Befragten vor allem das: Freunde und Familie, also Kinder, Enkelkinder oder die Großeltern zu treffen oder besuchen zu fahren, mal in ein Restaurant zu gehen, bestimmte, vor allem auch sportliche Freizeitaktivitäten und Hobbys wie tanzen oder im Chor singen, nachzugehen, die Möglichkeit zu verreisen – einige berichten davon, dass sie geplante Reisen absagen mussten – oder auch einfach mal den Gang zum Friseur.

Doch es gibt auch Lausitzer, die der jetzigen Situation etwas Gutes abgewinnen können. Gefragt nach den Folgen durch die Kontaktsperre, heißt es da etwa: „Ich habe mehr Ruhe Zuhause“, „Entspannung“, „Stress abbauen“, „Mehr Zeit für die Natur“, „Man wird sich bewusst, was eigentlich wichtig im Leben ist“, „ungestörte Gartenarbeit“, „Entschleunigung“, „mehr Ruhe“.

Aber auch, wenn einige den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie positives abgewinnen können, so machen sich viele auch Gedanken über die Zeit danach. Worüber sorgen sich die Lausitzer? „Dass die Menschen wegen der Vereinsamung aggressiv werden, vor allem zu ihren Kindern. Und, dass Kunst und Kultur leiden (...)“.

Was viele der Teilnehmer auch umtreibt ist, dass die Krise sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird.

Werden wir aus der Coronakrise lernen?

So wurde auf die Frage „Was sorgt Sie derzeit am meisten?“ unter anderem geantwortet: „Dass es nach Corona ohne Änderung bei den Entscheidungsträgern wie bisher weitergeht“, „Dass der derzeitige Zusammenhalt und der Demut nach der Krise wieder schnell verschwunden sind“, „Eigene finanzielle Probleme“, „Dass danach all die Milliardenkredite für die Großkopferten wieder der kleine Mann zurückzahlen darf!“, „Dass (...) die Kulturschaffenden aufgeben müssen“, „Dass die Solidarität auf der Strecke bleibt“, „Dass die Krise von den politisch Verantwortlichen wieder einmal missbraucht wird, um vom eklatanten Versagen auf allen Gebieten (...) abzulenken, „Dass die weiteren drängenden Probleme, wie Umweltschutz und europäische Einheit in der Folge der Krankheit wieder zu kurz kommen“, „Dass jung gegen alt und umgekehrt ausgespielt wird“, „Dass die Politik ihren Überwachungsstaat bekommt“, „Dass das Kurzarbeitergeld nicht reicht“, „Die Panikmache“, „Dass unter der Bevölkerung die verrücktesten Ideen zur Ursache der aktuellen Lage herumgeistern“, „Dass eine Verarmung durch Währungsverfall und Verteuerung stattfindet“.

Trotz all der Sorgen gibt es dennoch Lausitzer, die mit Optimismus nach vorn blicken: „Es kommen wieder bessere Zeiten. Und die Menschen können endlich mal Nachdenken was im Leben wichtig ist. Am meisten wünsche ich mir das mit schneller höher weiter endlich Schluss ist.“ Ein andere Teilnehmer hofft auf einen Lerneffekt, und ist deshalb optimistisch, weil er glaubt, dass „wir jetzt besser mit ähnlichen Krisensituationen umgehen werden können. Es gibt immer ein erstes Mal“.

Zukunftsblick der Lausitzer ist sehr unterschiedlich

Und warum es sich sonst noch lohnt, optimistisch zu sein? „Weil diese Pandemie aus meiner Sicht in absehbarer Zeit eingegrenzt oder sogar gestoppt werden kann und wir in einem Land leben, welches sich um seine Einwohner sorgt und kümmert“, „Weil die Regierung nach Langen zögern, den richtigen Weg geht“, weil „ich unserem Gesundheitssystem vertraue“, „Weil es bald einen Impfstoff gibt“ oder weil es Hoffnung „auf eine Veränderung in der Umweltpolitik und ein Umdenken bei Produktionsverlagerungen ins Ausland“ gibt.

Aber es gibt auch Lausitzer und Lausitzerinnen, deren Blick nach vorn stark getrübt wird und die eher pessimistisch in die Zukunft schauen. Etwa weil, „der Deutsche von der Mentalität her so eingestellt ist, nichts daraus zu lernen“, weil „die Wirtschaft den Bach runtergeht“, weil „man nicht weiß, was kommt“, oder weil „die Staatsverschuldung enorm sein wird“, weil „nach der Krise viele kleine Firmen in unserer eh schon arg gebeutelten Region pleite sein werden und damit wieder viele Arbeitsplätze verloren gehen werden“ oder „weil alles wieder teurer werden wird und das Geld schon jetzt nicht reicht“.

Aber kommen wir zurück zu Bob Dylan. Die Zeiten ändern sich, heißt es in seinem Song, der so gut passt auf diese Zeit und der hoffnungsvoll endet: „For the loser now, will be later to win“, „The slow one now, will later be fast“, „And the first one now, will later be last.“ Übersetzt: Die, die jetzt verlieren, werden später gewinnen, die, die jetzt langsam sind, werden schnell und die, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein.

Wer noch an der LR-Umfrage teilnehmen möchte, hat noch bis zum 19. April unter www.lr-online.de/coronaumfrage die Gelegenheit dazu.