Im Gastkommentar schreibt Herr Viertel, dass im Hartz-IV-Regelsatz und damit natürlich auch in der Grundsicherung, für den „Verkehr“ 32,90 Euro veranschlagt sind. Seit dem 1. Januar 2020 sind es 35,99 Euro (...).

Doch da der Kommentator gerade Cottbus mit dem Sozialticket angesprochen hat, muss ich darauf hinweisen, dass Cottbus gar kein Sozialticket als solches hat.

In Cottbus kann man einzig das Mobilitätsticket vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, ausschließlich als Monatskarte für derzeit 19,90 Euro – (das ist gültig für zwei von drei Tarifbereichen - Anm. d. Red.) – kaufen.

Einzel-, Tages- oder Wochenkarten wie sie etwa die Verkehrsgesellschaften Oberspreewald-Lausitz mit dem „Sozialtarif Senftenberg“, Teltow-Fläming mit dem „VTF-Sozialticket" oder Dahme-Spreewald mit dem „Sozialticket“anbieten, gibt es in Cottbus nicht.

„Oma Hilde“, die vielleicht vier mal im Monat von Neu-Schmellwitz nach Sachsendorf zur Tafel muss, weil sie mit Ihrer kleinen Rente und der Grundsicherung nicht auskommt und auf ein Geburtstagsgeschenk für den Enkel spart, wird sich nicht das Mobi-Ticket kaufen können, sondern die mittlerweile 1,80 Euro pro Einzelfahrt bezahlen.

Ebenso muss man sich fragen, warum es in Cottbus seit Jahren keinen Kurzstreckentarif wie in anderen Städten mehr gibt. Viele nicht mehr so mobile Leute fahren die drei Haltestellen etwa von Sielow bis zum Kaufland und müssen jedes Mal den vollen Tarif bezahlen, weil es keine Kurzstreckenfahrten mehr in Cottbus gibt.

(...) Ein weiteres großes Problem des ÖPNV in Cottbus ist die zum Teil ungenügende Taktung insbesondere in den Randbezirken. Ich wohne in Sielow (...) und bis auf einen kurzen Zeitraum am Morgen und am Nachmittag kommt man hier nur im Stundentakt rein oder raus. An Sonn- und Feiertagen verlängert sich der Takt dann auf einen Zwei-Stunden-Rhythmus.

Man kommt dann schneller von Cottbus nach Berlin als mit dem ÖPNV die vier Kilometer von Sielow nach Cottbus. Noch kann ich von und nach Cottbus laufen und bin zumeist schneller, doch das wird nicht immer so sein.

Detlef Paschke, Cottbus

Recht hat Gastkommentator Fritz Viertel schon: Mobilität sollte auch für Menschen ohne eigenes Auto garantiert sein, gerade im ländlichen Raum. Und doch bleibt Herr Viertel uns eine Antwort schuldig: Wie soll das gehen? Man kann nicht bis zur letzten Haustür Gleise verlegen.

Auch ist es nicht möglich, Busse bis ins letzte Dorf im erforderlichen Takt fahren zu lassen.

Das ist das allgemeine Dilemma der geringen Siedlungsdichte: Busse, die auf einer Strecke von A nach B alle Ortschaften, auch rechts und links der Strecke, anfahren, sind zu langsam. Busse, die in gerader Linie von A nach B fahren, sind schnell, erfassen aber die abgelegenen Ortschaften nicht. Außerdem sind diese Busse in der Regel schlecht ausgelastet und damit zu teuer.

Man kommt deshalb nicht umhin festzustellen: Das aktuell genutzte System der starren Fahrpläne ist bei geringer Siedlungsdichte ungeeignet. Inzwischen gibt es aber ein neues Zauberwort: „Mobility on demand“, sprich: Mobilität auf Nachfrage.

Gemeint sind damit aber nicht die aktuell nutzbaren Rufbusse, denn auch die fahren nach starrem Fahrplan, nur, dass sie ohne Anforderung halt im Depot bleiben.

Gemeint ist damit folgendes System: Jeder Fahrgast teilt seinen Fahrtwunsch eine bestimmte Zeit vor Antritt der Fahrt dem zuständigen Verkehrsbetrieb mit. Der Verkehrsbetrieb sammelt die Fahrtwünsche, kombiniert und optimiert mehrere Fahrtwünsche zu einer Fahrtroute und informiert die Fahrgäste anschließend über Abhol-Punkt und -zeit. Es gibt keinen festen Fahrplan und keine feste Fahrtroute!

Der Knackpunkt ist hier die Kommunikation zwischen Verkehrsbetrieb und Fahrgast. Klar: Das geht notfalls auch per Telefon. Doch dann müssten die Fahrtwünsche nach dem Telefonat vom Verkehrsbetrieb erst erfasst werden. Das verursacht hohe Kosten.

Besser ginge es per Smartphone. Und immerhin besitzen rund 80 Prozent der Deutschen ein solches oder ähnliches Gerät. Doch fehlt hier zum Teil noch die erforderliche Netzabdeckung. Die Installation eines schnellen Mobilfunknetzes ist deshalb ein absolutes Muss!

Es gibt deutschlandweit bereits einige Anwendungen der „Mobility on demand“. Ob man nicht auch in unserem Raum wenigstens einen Test starten könnte?

Dieter Schuster, Cottbus