Das Wort zum Sonntag passt nicht mehr zur Lausitzer Rundschau? Wer legt fest, was der Einzelne tatsächlich lesen möchte? Kann die Zeitung jeden einzelnen Leser wirklich mit jedem Artikel ansprechen, oder sollte sich die Tageszeitung eher neutral verhalten?

Eine Zeitung sollte gemäß Definition aktuell und zeitnah Bericht erstatten, für alle Leser zugänglich sein, periodisch erscheinen und inhaltliche Vielfalt bieten. Bedeutet dies nun, dass das Wort zum Sonntag dort nicht hinein passt? Wurde der Begriff der Zeitung neu interpretiert?

Eine Zeitung sollte doch frei sein, die aktuellen Geschehnisse aus Alltag, Wirtschaft, Politik, Sport etc. darlegen sowie wissenswerte Informationen aus diversen Lebensbereichen zur Verfügung stellen. Ferner sollten wir aber auch kulturelle Rubriken in unserer Zeitung finden.

Und genau hierzu gehören doch nicht nur das Fernsehprogramm, Veranstaltungstipps oder Bücher-Vorstellungen. An dieser Stelle sollte doch auch ein Platz für unsere seit Jahrhunderten verankerte Religion mit unserem Wort zum Sonntag sein. Vielen Menschen helfen diese Worte, sie lassen sie in sich gehen, um über etwas genauer nachzudenken, sie inspirieren, sie können sie für Lebenssituationen stärken und ermutigen.

Nicht jeder interessiert sich für´Sport oder für die gerade vorgestellte Literatur, und genauso wird sich nicht jeder mit dem Wort zum Sonntag identifizieren. Das soll auch so sein – Meinungsfreiheit eben. Unsere Zeitung sollte doch aber ein Querbeet für uns bereitstellen und mir das Wort zum Sonntag nicht einfach vorenthalten und damit vorbestimmen, was mich interessiert!

Im Übrigen halte ich die künftige Arbeitsentlastung für unsere Pfarrer an dieser Stelle für überflüssig, da sie es gern machen. Das Wort zum Sonntag in der Zeitung ist sicher für die meisten Pfarrer auch eine willkommene Chance Menschen zu erreichen, die nicht (immer) die Möglichkeit haben Gottesdienste aufzusuchen – gleichermaßen stellt es für die Menschen eine Chance dar, den Glauben kennen zu lernen. Es wäre daher schade, künftig darauf verzichten zu müssen. So viel Platz sollte doch übrig sein.

Sabine Störmer, Uebigau

Es ist wirklich schade, dass Sie sich entschlossen haben das „Wort zum Sonntag“ nicht mehr zu publizieren. Immerhin wurden in vielen Beiträgen der Pfarrer*innen christliche Werte, wie Nächstenliebe, Dankbarkeit und Respekt vor der Schöpfung vermittelt.

Wenn dies Desinteresse bei den Leser*innen der LR auslöst, ist das sehr besorgniserregend für unsere Gesellschaft und zeugt auch von mangelnder Bildung. Offensichtlich hat das Schulfach LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde), das in den letzten 30 Jahren in Brandenburg mit dem „R“ auch christliche Werte vermitteln sollte, in diesem Punkt versagt.

Ich will ein praktisches Beispiel nennen: Wer sonntags im Gottesdienst den Satz „… unser tägliches Brot gib uns heute…“ im Gebet aller Christen auf der Welt, dem „Vaterunser“, betet und verinnerlicht hat, wirft montags bis samstags keine Lebensmittel weg. Dieses Bewusstsein muss das tägliche Handeln unserer Bürger im privaten und beruflichen Bereich beeinflussen.

Insofern haben Sie natürlich recht, dass kirchliche Themen und christlicher Glaube viele Themen unserer heutigen Gesellschaft tangieren. Deshalb ist es auch notwendig, dass Pfarrer*innen immer wieder und natürlich auch in der LR auf christliche Werte aufmerksam machen. Das „Wort zum Sonntag“ ist ein Format dazu. Ich unterstütze Herrn Heinke (Lesermeinung vom 15. Februar – Anm. d. Red.) in seiner Meinung voll.

Wie haben Sie eigentlich dieses Desinteresse bei den Leser*innen festgestellt? Haben Sie eine Umfrage gemacht? Ich bin als Abonnent der LR nicht gefragt worden. Haben Sie mal Meinungen eingeholt? Was sagen eigentlich unser christlich geprägter Ministerpräsident und unser Innenminister als evangelischer Pfarrer dazu?

Beide haben ihren Lebensmittelpunkt im Verbreitungsgebiet der LR. Lassen Sie uns eine offene Diskussion hierüber führen. Viele Bürger können davon profitieren, zumal leider etwa 80 Prozent der Brandenburger kirchenfern sind.

Ralf Splinter, Lübbenau

In den Leserbriefen hat sich nun ein weiterer Leser kritisch zu der Plänen der LR betreffs „Das Wort zum Sonntag“ geäußert. Die im wesentlichen gleiche Antwort hatte ich vom LR-Chefredakteur auch auf meinen Artikel bekommen und das stimmt mich sehr nachdenklich.

Begründet wird ein Absetzen des Wortes zum Sonntag mit dem mangelnden Interesse der Leser.

Dazu habe ich zwei Fragen: Woher haben sie diese Erkenntnis? Unterscheidet sich ihrer Meinung nach das Leser-Klientel der LR vom Durchschnitt der bundesdeutschen Bevölkerung?

Soviel ich weiß, ist eine christliche Betrachtung der Geschehnisse zum Wochenende in den Deutschen Massenmedien immer noch fest integriert.

Ich weise nochmal darauf hin, das gerade in dieser Zeit der fortschreitenden Orientierungslosigkeit auch die lokale Presse eine Mitverantwortung für die Verbreitung von humanistischen Grundwerten hat.

Ich bitte sie deshalb nochmals, die Entscheidung zu überdenken.

Wolfgang Kalz, Doberlug-Kirchhain