Wenn ich das richtig verstehe, soll mit dem Gendern ein Kulturwandel hervorgerufen werden. Aus der Sprache, dem Wort wird ein Handeln erwartet. Es ist unvorstellbar, dass man den dringend benötigten Nachwuchs im Bäckerhandwerk dadurch findet, dass man für die Berufsausbildung um eine „Bäckerin“ wirbt (so in einer ZDF-Sendung).

Mir geht es allerdings um etwas Anderes. Unser Hochdeutsch, wie wir  alle wissen, hat sich aus dem Luther-Deutsch entwickelt. Einflüsse aus anderen Sprachen sind wirksam geworden.

Die Sprache hat sich in Wortschatz, Rechtschreibung, Satzbau verändert. Zu dieser Entwicklung haben Theater und Schriftsteller beigetragen. Denken wir nur an Gotthold Ephraim Lessing, an Johann Gottfried Herder, an Rainer Maria Rilke, an Thomas Mann oder Bertolt Brecht.

Mit dem Gendern will man eine politische Auffassung, eine Ideologie zum Tragen bringen, eine linke Forderung trotz geringer Akzeptanz durchsetzen. Vom Verunstalten und Sprachpanschen ist schon viel gesprochen worden.

Selbst bedeutende kulturelle Einrichtungen, die in der Vergangenheit zur Bewahrung der deutschen Sprache beigetragen haben, gendern. Als Beispiel sei die Semperoper Dresden genannt. So entsteht der Eindruck, dass viele Personen, Institute und öffentliche Einrichtungen sich deshalb dem Gendern angeschlossen haben, um nicht als populistisch zu gelten.

Das Gendern sollte zu einer Doktrin erhoben werden. Die Folge wäre, dass sich unsere Sprachgemeinschaft spalten würde: in ein Mainstream-Deutsch (Gendern) und ein „Deutsch“ der konservativen Mitbürger.

Hoffen wir, dass das Gendern eine Modeerscheinung bleibt und die Pflege der deutschen Sprache ins Grundgesetz aufgenommen wird. Wir sollten stolz sein auf unsere geschichtlich gewachsene Sprache.

Gotthard Lukas, Finsterwalde

Wo bleibt sachliche Debatte?

Die Meinungen, die als Antwort auf den Beitrag „Geschlechtssensible Sprache beeinflusst Wahrnehmung“  abgedruckt wurden, machen mich stutzig.

Die sachliche Debatte zum Thema wird mit persönlichen Angriffen vermischt; man unterstellt Frauen, die sich für eine gendersensible Sprache einsetzen, mangelndes Selbstbewusstsein und nimmt den Verweis auf die Richtlinien zur gendersensiblen Sprache an der BTU zum Anlass,  Defizite der BTU anzuprangern (...). Zugleich wird die inhaltliche Debatte zum Thema auf recht begrenztem Niveau geführt.

Ich plädiere keineswegs für eine Meinungszensur, sondern freue mich über eine Vielfalt an Perspektiven und Meinungen, denke jedoch, dass in der Rubrik Leser*innen-Meinungen eine respektvolle Diskussionskultur gepflegt werden kann. 

Es gibt, um noch einen Beitrag zur Sache vorzubringen, durchaus Möglichkeiten, in lesbarer Form gendersensible Texte zu schreiben. Es wäre doch einen Versuch wert, einige LR-Artikel in einer solchen Form zu schreiben.

Annemarie Jost,  Professorin an der BTU Cottbus-Senftenberg

Gleichstellung wichtiger

Ich kenne kein Land weltweit, das so viel unter fadenscheinigen Gründen permanent an seiner Sprache rumbastelt! Erst wurde alles verändert, weil man den Zuwanderern entgegenkommen wollte (...), und nun erkennt Deutschland das Geschlecht divers als sprachliche Notwendigkeit an?

Sorry, wer Gleichberechtigung möchte, sollte sich lieber über die fehlende Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland aufregen. Hier ist Frausein eine Garant dafür, dass weniger Lohn und weniger Rentenanspruch besteht, wenigstens beim Arbeitnehmer und Abgabepflichtigen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit wie in der Diktatur der DDR wurde von der Diktatur der Wirtschaft im vereinten Deutschland ersatzlos gestrichen. Scheinbar bei Wissenschaftlern nicht. Geschlecht und Herkunft sind in Deutschland existenzielle Fakten, die lebenslang negative Folgen haben, aber das ist für Frau Wissenschaftlerin wohl weniger interessant.

Deren große Angst besteht darin, dass ihre Kinder in einer nicht genderneutralen Sprachkultur aufwachsen (...).

Marina Struzyna, Klettwitz