Eine Woche Erinnerung an den Holocaust und was nun?

Der 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, seit 2005 ein internationaler Gedenktag für die Opfer des Holocaust, wurde auch in Brandenburg und in der Lausitz mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen begangen. PolitikerInnen aller Ebenen legten Kränze an den dafür vorgesehenen Denkmalen nieder und verneigten sich vor den Opfern.

Aber war er auch wirklich ein Gedenktag der BürgerInnen? Eine rbb-Umfrage unter Cottbuser SchülerInnen, was sie mit dem Begriff Holocaust verbinden, zeigte ein erschreckendes Geschichtsverständnis. Offenbar ist das kein Thema im Unterricht.

Und auch (...) die Cottbuser Bürgermeisterin zeigt ein merkwürdiges Geschichtsbewusstsein, wenn sie in ihrem Bericht an die Stadtverordnetenversammlung an die Opfer von 1933 bis 1989 erinnert. Wer Faschismus und DDR gleichsetzt, muss sich nicht wundern, dass Rechte ungestraft den Holocaust leugnen können und Kinder die größten Verbrechen, die für immer mit dem Namen Deutschland verbunden sind, nicht kennen.

Längst ist das Gedenken verkommen zu einer politischen Pflichtveranstaltung, wo PolitikerInnen am liebsten unter sich bleiben. In Spremberg fand das „stille Gedenken“ zu einer Zeit statt, wo Berufstätige noch ihrer Arbeit nachgehen.

Und dass vielleicht SchülerInnen eine solche Gedenkfeier wenigstens im Jubiläumsjahr ausgestalten könnten – auf eine solche Idee ist keiner gekommen. Da dürfte es nicht verwundern, dass auch der 8. Mai nicht als Tag der Befreiung, sondern als 75. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges begangen wird. Wie immer ganz im Stillen.

Und da wundern wir uns über den Rechtsruck in unserer Gesellschaft?

Ilona Schulz, Spremberg

Die LR veröffentlichte am 21. Januar, anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz, eine Beitrag über eine Dokumentation zur Frage, warum auf Auschwitz keine Bomben geworfen wurden. Arte beschäftigte sich über 90 Minuten mit diesem heiklen Gedankenspiel.

Der ungehindert gebliebene Eisenbahntransport von 440 000 ungarischen Juden seit Beginn der Deportation Anfang Mai 1944 über die Dauer von nur acht Wochen macht nachdenklich, ist schmerzlich. Mehr als 6 000 Waggonladungen dem Tode geweihter Menschen wurden mit mehreren Zügen täglich durch weniger als 200 Kilometer schon vom Aufstand erfasstes slowakisches Gebiet, gefahren.

und nicht eine einzige Bombe von Flugplätzen der Alliierten im nahen Italien zerstörte auch nur eine wichtige Brücke dieser direkten Bahnlinie in die Gaskammern, von denen London und Washington nach früherem Bekenntnis bereits seit 1942 und nicht erst seit 1944 nach der Flucht von zwei Häftlingen Kenntnis hatten.

Sowjetische Bomben hätten zu dieser Zeit noch kürzere Wege gehabt. Nur eine Bombe, wenn nötig auch mehrere, auf diese Bahnlinie, hätte vielen der 1,1 Millionen im Todeslager Auschwitz-Birkenau getöteten jüdischen Menschen, den Frauen und Kindern, das Leben retten können – ohne dass das Lager selbst zum Ziel eines Bombardements werden musste.

Darüber darf es keinen Streit geben, selbst wenn bedacht wird, dass in diesen Tagen die Landung in der Normandie Vorrang gehabt haben könnte oder schon an das Kriegsverbrechen der Zerstörung von Dresden wenige Monate später gedacht wurde.

In Buchenwald fielen am 24. August 1944 Bomben auf das an der Lagergrenze befindliche Rüstungswerk, das Waffen für die Wehrmacht produzierte. Eine große Anzahl von Häftlingen kam bei diesem Bombardement ums Leben oder wurde verletzt.

Unter den Toten infolge einer Bombe auf den „Prominentenblock“ des Lagers befand sich auch Rudolf Breitscheid, der mit seiner Frau verschüttet wurde. Sie konnte gerettet werden. Rudolf Breitscheid war Reichstagsabgeordneter der SPD und wurde durch Verrat im französischen Exil an die Gestapo ausgeliefert und 1943 nach Buchenwald gebracht.

Auch die italienische Prinzessin Mafalda befand sich unter den Opfern. Die Urne Breitscheids wurde auf dem Friedhof in Stahnsdorf beigesetzt.

Kurt Noack, Groß-Kölzig

Hinweis: Das Dokudrama „1944: Bomben auf Auschwitz?“ kann noch bis zum 29. Februar in der Mediathek des Senders Arte abgerufen und angeschaut werden.