Da kommt von Herrn Rummenigge die Aussage: „Wir greifen sofort hart durch“. Im Aktuellen Sportstudio äußert ein DFB-Boss Keller seine Empörung und erklärt, dass man bei seinem Drei-Stufen-Plan bleibe.

Bitte, was sind das für haarsträubende Aussagen? Seit nun fast zwölf Jahren schauen DFB und DFL seelenruhig zu trotz hoch finanzierten Spitzenpersonals (...). Auch sämtliche Ligavereine hüllten sich bisher betreten in Schweigen und mimen jetzt Empörung.

Wer nimmt es denen denn noch ab? Wenn der Drei-Stufen-Plan Bestand hat, bedeutet das, dass diese „Fanblöcke“ durchaus zwei Mal diese Hetze im Stadion betreiben können? Im Fall FC Bayern München wäre beim dritten Fall der Täterverein noch mit drei Punkten belohnt worden? Sorry, da stimmt das komplette System nicht.

Blamabel ist auch das Auftreten des Ostclubs Union (...). Diese Unioner glauben nun, andere diffamieren zu müssen? Millionen auf den Konten zu haben, bedeutet für keinen Fan oder Fußballer, Vereins- oder Ligaboss auch automatisch, Hirn zu besitzen.

Außerdem ist Herr Hopp doch eher ein Vorbild, denn was er für ein soziales Gewissen besitzt und sich entsprechend engagiert, darauf können nur verdammt wenige der Reichen in Deutschland verweisen.

Marina Struzyna, Klettwitz

Fußball gehört keinem Einzelnen

Man fragt sich, was in den Köpfen dieser Chaoten vor sich geht. Warum schließen sich viele der treuesten Fans zusammen und demonstrieren gemeinsam gegen einen Menschen? Und warum reagieren die Funktionäre, die DFL und die Presse in genau gleicher Weise? Keiner fragt mehr, was eigentlich dahinter steckt und alle plappern nach, was die Oberen des Fußballs vorgeben.

Doch genau darum scheint es zu gehen. Die Initiatoren des Protests wehren sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs. Zielscheibe ist Dietmar Hopp, der wie kein anderer mit seinem Geld den Fußball beherrscht und verändert hat. Würde man das Plakat wohlwollend interpretieren, würde man nur sagen, dass er bildlich gesehen im Fadenkreuz der Kritik steht.

Dagegen ist es ganz weit hergeholt, dass irgend ein Fan ihm den Tod wünscht. Die Gegner machen es sich hier sehr einfach: Sie springen auf den begrüßenswerten Kampf gegen Rassismus und Homophobie auf und interpretieren hier eine persönliche Hassbotschaft hinein. Glaubt ein Mensch im Ernst, dass es bei dem Begriff „Hurensohn“ um die Abstammung geht.

Nein es geht, bildlich gesprochen, um die Abhängigkeit vom Geld, also wie weit der Fußball bereit ist, sich für Geld zu prostituieren.

Bemängeln wir nicht alle die unmoralisch hohen Ablösesummen. Bemängeln nicht alle die Zersplitterung der Bundesliga auf mehrere Spieltage, nur um von drei verschiedenen  Anbietern noch mehr Geld zu bekommen.

Sollte der Fußball nicht den Fans und Vereinen gehören und nicht einzelnen Menschen, die, wie auch immer, sehr reich geworden sind. Die Kritik wird nicht gehört, in den Medien wird nicht darüber gesprochen, weil diese Teil des Systems sind.

Man mag es als sehr nostalgisch empfinden, dass es Menschen gibt, die Woche für Woche mit ihrem Verein mitreisen und daran glauben, dass sie mit ihrer Unterstützung den Verein nach vorne bringen.

Haben diese Menschen, da sie sonst nicht gehört werden, nicht das Recht, zumindest im Stadion ihre Meinung zu äußern? Ist es nicht selbstverständlich, dass dieser Protest mit einprägsamen Bildern agiert.

Andersartiger Protest, wie zum Beispiel das Verlassen eines Blocks, der Boykott eines Spiels oder sachliche Plakate, wurden in der Vergangenheit ignoriert und in der Berichterstattung schlicht weggelassen.

Wenn man sich es recht überlegt, kämpfen diese „Chaoten“ für alle, die nicht wollen, dass die Vereine einzelnen Menschen gehören, die Fußballspieltage im Fernsehen sehen wollen und gegen all die Auswüchse sind, die sich zum Beispiel im menschenunwürdigen Handeln mit Fußballern manifestiert haben.

Man kann anderer Meinung sein, aber man sollte nicht versuchen, diese Menschen mundtot zu machen.

Ulrich Ahammer, Polling

Hinweis der Redaktion: der Redaktion: Der Gründer des Softwareunternehmens SAP, Dietmar Hopp, finanziert seit 1990 die TSG Hoffenheim, baute für den Verein neue Stadien und kaufte teure Spieler ein und machte dadurch einen Aufstieg in die erste Bundesliga möglich. Bereits seit 2008 gibt es von Fans anderer Vereine immer wieder Proteste im Stadion mit Plakaten mit Schmähungen und Beleidigungen. Nach erneuten Vorfällen im September seitens von BVB-Fans reagierten DFB und DFL mit Kollektivstrafen. Daraufhin gab es weitere Schmähungen von Borussia- und Bayern-Fans. Nun haben die Ultras etlicher Clubs einen Brandbrief an den DFB geschrieben.