Eine der Aussagen lautet: Das Wasser im Ostsee sinkt! Eigentlich doch logisch. Seit dem Flutungsende vom 20. März sind inzwischen ja schon gut sechs Wochen ins Land gegangen. Zum einen herrschten seitdem überdurchschnittliche März- und Apriltemperaturen mit immer trockenem, kräftigem Wind – nach meiner Einschätzung auch eine Folge des Klimawandels.

Zum anderen ist jedem Blumenfreund und Kleingärtner bewusst, dass, wenn er Wasser in eine Pflanzmulde gießt, dieses nicht nur senkrecht nach unten in Richtung Grundwasser verschwindet, sondern auch unterhalb der Mulde als Kegel breit fließt (und ja auch soll), um die ebenfalls in die Breite gewachsenen Wurzeln von Blumen, Gemüse, Büschen und Bäumen zu erreichen. Das Wasser setzt sich zwischen den kleinsten Sandkörnern ab und wird auch von Humusteilchen aufgenommen. Der Fachmann spricht hier vom Gebirge.

Prognostiziert ist, dass der Ostsee für seine Flutung 121 Millionen Kubikmeter für das aufzufüllende Volumen, aber auch 135 Millionen Kubikmeter für diese Kleinstzwischenräume des Gebirges benötigt.

Nicht in dieser Rechnung erscheint bisher die jährliche Verdunstungsmenge bei der Füllung, die ja im vergangenen Jahr beim Großräschener See etwa 70 Zentimeter der Wasserhöhe betrug.

Und was die Fachleute bisher unter der Decke halten, ist der Umstand, dass der Tagebau Jänschwalde unweit des Ostsees und ohne Dichtwand dazwischen noch drei Jahre lang betrieben werden soll. Für dessen Betrieb liegt die erforderliche Grundwassersohle erheblich unter dem jetzigen Wasserspiegel des Ostsees, und somit wird auch hier automatisch eine Abströmung erfolgen.

Das Wasser wird also im Kreis gefahren: Bei Flutungen wird es diskontinuierlich aus der Spree entnommen und kontinuierlich nach dem Überströmen von den Grundwasserpumpen des Tagebaus Jänschwalde gehoben. Dies ist wieder Anlass, von der Kohle nahestehenden „Fach-Politikern“ wie Herrn Dr. Schulze  im Sommer zu verkünden, dass die Lausitz doch deswegen aktive Tagebaue braucht!

Grundsätzlich frage ich mich, was diese gut bezahlten Fachkräfte in der Flutungszentrale im Februar und März bewogen hat, circa acht Millionen Kubikmeter in den Ostsee einzuleiten, statt das vorhandene Manko von knapp 20 Millionen Kubikmetern in den Talsperren Bautzen, Quitzdorf und Spremberg aufzufüllen. Oder haben das Politiker veranlasst, um ihr Prestige-Objekt ins rechte Licht zu rücken?

Hat nicht kürzlich Antenne Brandenburg einen „wegweisenden Zwischenschritt“ für das Prestige-Projekt Ostsee verkündet: Die Hälfte der Wasserhöhe ist erreicht! Wenn der Sommer 2020 ähnlich wie die vorherigen ausfällt, haben das noch stärker die Fischwirte, die Landwirtschaft, der in Gewässernähe wohnende Kleingärtner, der Badesee-­Nutzer, ja selbst der Gartenbaubetrieb, der Straßenbäume pflanzt und diese nicht bewässern darf/kann, zu spüren, weil statt 20 nur sieben Millionen Kubikmeter aus Sachsen genutzt werden können!

Ich glaube unter diesen Umständen nicht an ein Flutungsende 2024, und ich habe so meine Zweifel, wie lange die Rückstellungen der Leag für die Tagebausanierungen reichen.

Diese Wasserproblematik gebietet uns doch, schnellstmöglich die Tagebaue zu schließen und die Wasserentnahme zu beenden. Aber was sagen unsere Lokal-Politiker? Nein, denn wir brauchen doch jetzt und heute diese gut bezahlten Arbeitsplätze! Von Wasser und Klima reden sie nicht!

Gert Richter, Guben