Zum Interview mit Hans Modrow in der LR vom 2. Oktober 2019: Modrow hat lange Jahre, in denen ihm und der SED genügend Zeit für Reformen zur Verfügung stand, als Spitzenfunktionär Verantwortung in einer Partei getragen, der für Ihren Machterhalt von Bespitzelung über Freiheitsberaubung, psychischem und physischem Terror bis zum Mord jedes Mittel recht war. Der zugegebene Wahlbetrug nimmt sich dabei fast wie ein Kavaliersdelikt aus.

Wer an diesen Verhältnissen zweifelt, dem empfehle ich diverse Publikationen und Augenzeugenberichte der Bundeszentrale für politische Bildung zur Lektüre. Modrow klebte bis zuletzt an der Macht und tönte noch im Oktober ’89: „Der Sozialismus in der DDR steht nicht zur Disposition.“

Wenn Modrow seine Weisheiten in den entsprechenden Parteiblättchen verbreitet, so ist das einerlei. Wenn jedoch die LR einem Mann, der in vorderster Linie für den politischen und wirtschaftlichen Bankrott in Ostdeutschland mitverantwortlich war, im Zusammenhang mit dem Jahrestag der Wiedervereinigung die Plattform einer ganzen Zeitungsseite bietet und ihn wie den jovialen Rentner von nebenan aussehen lässt, ist das eine Zumutung.

Eckhard Schulz, Schenkendöbern