Alle, die wie, ich in den 50er- oder 60er-Jahren geboren wurden, müssen sich heute von der Fridays-for-Future-Bewegung anhören, dass sie der Jugend das Leben ruinieren. Ich muss dem widersprechen, denn in meiner Jugend wurde nachhaltig gelebt.

Strümpfe und Strumpfhosen wurden gestopft. An Pullover wurden längere Bündchen gestrickt. Hosen wurden mit bunten Borten verlängert. Zum Einkaufen und zur Schule musste ich mehrere Kilometer zu Fuß laufen, transportiert wurden die Einkäufe in einem Netz.

Wenn Kleidung nicht mehr brauchbar war, wurden alle noch verwertbaren Dinge wie Knöpfe oder Reißverschlüsse abgetrennt und der Rest für Flicken oder als Putzlappen genutzt. Geschenkpapier wurde vorsichtig geöffnet, um es wiederzuverwenden.

Wir sammelten Altpapier und Flaschen mit der Schule und halfen bei der Kartoffelernte. Ich könnte noch mehr nachhaltiges Verhalten dieser Art aufzählen.

Stattdessen muss man sich von der jetzigen Jugend, die sich mit dem SUV zur Schule kutschieren lässt, und die wahrscheinlich schon jetzt einen höheren Stromverbrauch hat als wir in unserer gesamten Jugend, sagen lassen, wir ruinieren ihr Leben.

Wir hatten keine elektronischen Spiele, unser WhatsApp waren Zettel, wir verabredeten uns mündlich, Telefon gab es keins – das war für Notfälle gedacht.

Diese Jugendlichen und Kinder wollen etwas über Umweltschutz erzählen, werfen ihre Kleidung nach zweimal Tragen weg, produzieren Müll ohne Ende, verbrauchen seltene Erden und müssen immer die neuesten Geräte besitzen.

Auf den Demos lassen sie sich ihren Müll von fleißigen älteren Menschen wegräumen, und am Wochenende geht es zum nächsten Open-Air-Konzert oder zum Koma-Saufen. Wenn diese Jugendlichen und Kinder einmal so nachhaltig leben wie meine Generation gelebt hat, dann dürfen sie gerne streiken.

Hannelore Groba, Teichland