Verehrte Redaktion, in letzter Zeit haben einige Leser zum Thema Deutsch geschrieben (16./24./27. April). Dies zeigt: Es besteht ein Interesse für dieses Thema.

Ist die deutsche Hochsprache ein Auslaufmodell? Wird es nach der Corona-Krise möglich sein, sich wieder, ohne sich schämen zu müssen, mit der deutschen Sprache zu beschäftigen?

In der Wirtschaft sind bereits Bestrebungen angesagt, verschiedene Bereiche auf die nationale Ebene zu verlagern bzw. zurückzuholen. Kann die deutsche Sprache nicht auch diesen Anspruch erheben, ohne die Benutzer sogleich beim Zuwenden für eine nationale Sprache als Nazis zu verunglimpfen?

So ist es erfreulich, dass gleich mehrere Leser dem Leserbrief von Herrn Jähnel (“Wo bleibt das Deutsch?“, LR vom 16. April 2020) zustimmen. Natürlich ist das „Denglisch“ mehr als unschön.

Jedoch sehe ich in der Schreibweise einiger Journalisten zwei Seiten. Einmal möchten sie mit ihrem Wortschatz den Sprachgebrauch einer auserlesenen Führerschicht pflegen und sich vom Gemeingut der deutschen Sprache abheben.

Einen Höhepunkt nennt Leser Peter Jähnel. Über den Dingen stehend übertragen Sie in Klammern gesetzt das englische Wort für die bedarften Leser ins Deutsche (Bitte des Lesers vom 27. April 2020).

Zum anderen werden Fremdwörter, nicht nur aus der englischen Sprache, zum Verharmlosen bzw. zur Verdummung der Leser genutzt. Wer will schon immer mit Nachschlagewerken die Zeitung lesen. Man überliest einfach diese Stellen. Es klingt freundlich, unverbindlich, nichtssagend.

Fremdwörter werden mitunter im Deutschen auch mit anderen Inhalten belegt als in ihrer Heimatsprache üblich. Denken wir nur an die berühmten Kids. Das englische Wörterverzeichnis nennt uns in der Übersetzung zuerst „Zicklein“! Da hilft kein Wörterbuch mehr.

Sollten wir nicht die deutsche Sprache als unsere Nationalsprache, entstanden, entwickelt und beeinflusst von anderen Sprachen, in der heutigen Ausdrucksweise verwenden? Das wird um so notwendiger sein, da die Gendersprache bereits, ob geschrieben oder gesprochen, zum Alltag aller Medien geworden ist und sich störend bei der Gestaltung eines Textes auswirkt.

Für diesen Mischmasch aus Denglisch und Gendern müssen wir noch eine Bezeichnung finden, vielleicht Kauderwelsch? Der Begriff unserer Großeltern für eine verkraxelte Ausdrucksweise oder „Politikerdeutsch/Politikerwelsch“. Die Leserbriefe zeigen den deutlichen Wunsch für den Gebrauch unserer Muttersprache.

Gotthard Lukas, Finsterwalde