Lübbenau liegt beiderseits der Eisenbahn auf einem Schwemmsandfächer der letzten Eiszeit. Das darin befindliche Grundwasser fließt vom ehemaligen Kraftwerkstandort nahe der A 15 in Richtung Norden unter der Neustadt zur Berliner Straße (L 49). Dahinter steht das Wasserwerk.

Unmittelbar vor der L 49 befindet sich das Wasserfassungsgelände mit Bohrbrunnen zur Entnahme von Grundwasser, das als Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung dem Wasserwerk zugeführt wird.

Bei jedem Bohrbrunnen entsteht durch die ständige Grundwasserentnahme ein Trichter mit wasserfreiem Bereich, in den das von den befestigten Flächen (Dächer, Terrassen, Straßen usw.) anfallende Regenwasser aus der Siedlung der Rosa-Luxemburg-Straße hergeleitet und versickert werden kann. Regentonnen auf den Grundstücken der Berliner Straße sparen Leitungswasser zum Gießen.

Kellerfundamente nach damaligem Stand

Beim Kraftwerksbetrieb bis 1996 wurden täglich 3500 Kubikmeter Grundwasser aus dem Kraftwerksgelände zur Dampferzeugung entnommen, um gleichzeitig die Standsicherheit der Schornsteine zu gewährleisten und unterkellerte Kraftwerksbauten trocken zu halten. Damit wurde der Grundwasserstrom unter den Neustadtgebäuden auf 49,5 Meter (üNN) abgesenkt.

Diese Höhe war für die Höheneinordnung der Kellerfundamente zu den Wohngebäuden in Plattenbauweise maßgebend. Deswegen wurde Erdreich bis unter die Kellerfenster angehäuft. Am Wasserwerk betrug zu dieser Zeit die Entnahmetiefe in den Versorgungsbrunnen etwa 16 Meter.

Als dann zusätzlich Grundwasser für die Baugruben der Keller unter den Bürogebäuden der Industriewäscherei abzupumpen war, wurde die Dicke des Grundwasserstroms unter der Neustadt so verringert, dass zu wenig Grundwasser die Versorgungsbrunnen am Wasserwerk erreichte, weil dadurch der Grundwasserspiegel noch tiefer lag.

Folgen ausbleibender Grundwasser-Entnahme

Deswegen musste das in den Baugruben gewonnene Grundwasser in einer sichtbaren (meistens über Gelände liegenden) Stahlrohrleitung durch die Neustadt zur Wasserfassung geführt werden, woran sich noch viele Einwohner erinnern können. (...)

Infolge ausbleibender Grundwasser-Entnahme von täglich 3500 Kubikmeter ab 1996 nach Kraftwerksstilllegung stieg der Grundwasserspiegel wieder an und sorgte besonders in den Jahren 2010 bis 2012 für nasse Keller (Schimmelbildung). Deshalb gilt nach wie vor die Forderung nach Ansiedeln eines Betriebs mit ähnlich hohem Wasserverbrauch am Kraftwerksstandort.

Erwin Lieke, Lübbenau