Es ist schon befremdlich, wenn man lesen muss, dass im Zusammenhang mit dem Strukturwandel in Zittau und Dresden Neues entstehen soll. Sicherlich ist das wichtig. Aber warum so weit weg vom Zentrum der Kohleverstromung?

Hier in Weißwasser und Umgebung sind durch den künftigen Wegfall der Stromerzeugung auf fossiler Basis viele gutbezahlte Industriearbeitsplätze in Gefahr. Deshalb muss in erster Linie hier, nicht irgendwo und nicht irgendwann, ein adäquater Ausgleich, zum Beispiel in der Forschung, das unmittelbare Ziel sein.

Das ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass die Stadt seit der Wende bereits etwa 58 Prozent der Einwohnerschaft verloren hat, der Altersdurchschnitt steigt, Geschäfte reihenweise leer stehen und an allen Ecken und Enden im öffentlichen Haushalt der Gürtel enger geschnallt werden muss. Nur durch einen optimalen Ausgleich wegfallender Arbeitsplätze kann dem weiteren Schrumpfungsprozess der Stadt Einhalt geboten und die Lebensqualität gehalten beziehungsweise angehoben werden.

Um das sicherzustellen, müssen die Festlegungen der Kohlekommission endlich in einen Staatsvertrag münden, muss es ein Planungsbeschleunigungsverfahren geben und es müssen alle Betroffenen weiterhin laut und deutlich ihre Stimme erheben.

Den Verantwortlichen wünsche ich Mut und Entscheidungsfreude bei der zeitnahen Lösung der vor ihnen stehenden gewaltigen Aufgaben im Interesse heutiger und künftiger Generationen.

Übrigens hatte ich in einem früheren Leserbrief bereits darauf hingewiesen, dass sich Nieder- und Oberlausitz nicht einfach zur Lausitz addieren lassen, sondern unter der Lausitz bestenfalls nur die Niederlausitz verstanden werden kann.

Immer wieder wird dem Leser suggeriert, dass die Lausitz von Zittau bis Königs Wusterhausen und von Bad Muskau bis Mühlberg reicht. Das ist schlichtweg falsch.

(...) Zu den vom Kohleausstieg betroffenen Kernregionen rechne ich jene Gebiete mit den meisten Beschäftigten in den Kohlekraftwerken und Tagebauen. Das betrifft in den beiden Lausitzen insbesondere den Norden des Kreises Görlitz und den Nordosten des Kreises Spree-Neiße.

Lothar Meißner, Weißwasser