Alle, die sich 1991 im Rahmen unserer Bürgerinitiative für eine friedliche Nutzung der Muskauer Heide engagierten, werden die neuerlichen Pläne zum Truppenübungsplatz als Schlag ins Gesicht empfinden.

Wir mussten damals in den sauren Apfel beißen und den ehemals durch die NVA genutzten Übungsplatz als unverzichtbar für die Bundeswehr hinnehmen. Die Truppe müsse ja für den Verteidigungsfall üben können, so das Argument.

Bundeswehr setzt auf Truppenübungsplatz bei Weißwasser 1. Panzerdivision macht Lausitz zum Manöverschwerpunkt

Weißwasser

Mittlerweile entpuppt sich dieser Platz, nunmehr von der ganzen Nato genutzt, auch noch als Werbeinstrument deutscher Waffenschmieden.

Oder sind die Rheinmetallkunden aus Singapur ebenfalls unsere Waffenbrüder? Sollen „deutsche Interessen“ etwa auch in der Straße von Singapur verteidigt bzw. gesichert werden? Wenn ja, dann ist der Bezug zum Truppenübungsplatz (TÜP) Oberlausitz hergestellt!

Mit China als Feindbild, würde der Einsatz des Leopard zu Boden sowie des Kampfhubschraubers Tiger in der Luft auch in Asien die Wahrung und Durchsetzung „deutscher Interessen“ ermöglichen.

Kaiser Wilhelm II (Bremerhaven, Juli 1900) lässt grüßen! [Der Leser meint hier die sogenannte Hunnenrede anlässlich der Verabschiedung von Truppen zur Niederschlagung des Boxeraufstandes im Kaiserreich China].

Als Perle des notwendigen Strukturwandels in der Lausitz wird der TÜP Oberlausitz gegenwärtig auf den neuesten Stand gebracht und soll im Rahmen des Nato-Manövers „Defender 2020“ auch als Sammel- und Ertüchtigungsraum eine gewichtige Rolle für die reaktivierte Ostfront spielen.

Wer von uns hätte 1991 auch nur ahnen können, dass deutsche Panzer wieder quasi in denVorgärten von Leningrad, heute St. Petersburg ,stehen? Natürlich nur als „Speerspitze“.

Angesichts von Flüchtlingsströmen und völkerrechtswidrig geführten Kriegen sollten sich unsere Eliten dringend der Charta der Vereinten Nationen (Gewaltverbot gemäß Artikel zwei der Uno-Charta und Grundsatz der Nichteinmischung) oder auch dem Geist von Helsinki erinnern.

Statt ständig Feindbilder zu propagieren, müssten sie sich der Charta von Paris (November 1990) verpflichtet fühlen. Als vertrauensbildende Maßnahme wäre etwa der Verzicht auf die geplante, Ressourcen verschlingende Machtdemonstration „Defender 2020“ ein erster Schritt!

Aufgrund immenser Schadstoffemissionen ist „Defender 2020“ natürlich auch auf die Agenda der Klimadebatte zu setzen! Es muss unterstellt werden, dass die „Anreise“ über den großen Teich nicht mit Segelschiffen erfolgt. Von den anderen geplanten Operationen ganz zu schweigen. Doch mit handelbaren Klimazertifikaten im Marschgepäck wird Defender 2020 durch den modernen Ablasshandel bestimmt von den Klimasünden freigesprochen!

Die Übungen auf unserem TÜP sind natürlich ebenfalls klimaneutral. Trotzdem muss er wieder auf seine ursprüngliche Nutzung heruntergefahren werden!

Entspannt könnten wir eigentlich konstatieren: Zum Vorteil unserer Region wird der TÜP diese Entwicklung nehmen, bestimmt, ganz bestimmt. Wir Sachsen können doch unserem Ministerpräsidenten vertrauen. Als Lausitzer kennt unser Ministerpräsident die Probleme und sucht nicht umsonst und in unser aller Interesse gute Beziehungen zur Russischen Föderation ...

Die frohe Botschaft aus St. Petersburg wurde dem Volke entsprechend wirkungsvoll überbracht, das Gros der politischen Eliten Deutschlands und der Nato war entsetzt.

Bleibt zu hoffen, dass die „Petersburger Verheißung“ zukünftig Platz in den Köpfen aller findet. Als „waschechter Sachse“ darf ich diesen frommen Wunsch doch äußern?

Nun, zur Weihnachtszeit und danach, für einige Tage im neuen Jahr, herrscht Frieden über der Muskauer Heide.

Volkmar Pirl, Bad Muskau