Nun mag man als Lausitzer und als Bergmann zu Ende Gelände stehen wie man will. In ihrem Gastkommentar hat Frau Budke in mehreren Dingen recht, wenn Sie sagt: „So geht es nicht weiter“.

Ihre Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Dass sind zum einen die Hinweise auf den Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen, welche wir nun seit Jahren immer eindringlicher zu spüren bekommen. Zum Anderen der Hinweis auf die Spaltung in der Gesellschaft, die sich an diesem Thema und dem geforderten Kohleausstieg manifestiert.

Natürlich sind die „Aktionen“ des „Zivilen Ungehorsams“ fragwürdig und bedürfen vonseiten Ende Geländes dringend einer Überprüfung. Der Gegen-Protest der LEAG-Mitarbeiter hat das eindringlich gezeigt und macht klar, dass ein sofortiger Kohleausstieg gegen die Kumpel nicht zu machen ist.

Zukunftsangst auf beiden Seiten

Dass müssen die jungen Leute verstehen lernen, egal wie berechtigt ihre Forderung nach mehr politischem Willen und Handeln ist.

Und dennoch, auch vonseiten der Kumpel, der regionalen Politik, der Gewerkschaften und der Lausitzer allgemein, muss endlich verstanden werden, dass die Leute von Ende Gelände keine Öko-Terroristen, blödsinnige Krawallmacher und geistesgestörte Faulenzer (und was man noch so alles in den einschlägigen Medien lesen konnte) sind.

Man muss endlich begreifen, dass die jungen Leute von Ende Gelände genau dieselbe Zukunftsangst haben, wie der Bergmann bei der LEAG oder der Mitarbeiter in der Zulieferbranche.

Deshalb helfen auf Dauer keine verbalen Schlachten um die Deutungshoheit und Rechthaberei darüber, wie lange der Kohleausstieg dauern soll. Ich kann nur sagen, setzt euch endlich zusammen und diskutiert sachlich und faktenbezogen und nehmt die Ängste der jeweils anderen Seite ernst. Ein guter Anfang dazu war die Veranstaltung im Audimax der BTU am 26. November 2019.

Gemeinsam für Strukturwandel kämpfen

Wer allerdings immer noch glaubt, Klimawandel sei eine Erfindung der „linksgrünversifften“ Umweltlobby, Klimapolitik sei moderner Ablasshandel und dass Kohleverstromung auch in x Jahren noch die Zukunft der Lausitz sichern wird oder glaubt eine Vogel-Strauß-Politik wird uns schon helfen und wir machen so weiter wie bisher, hat mit Sicherheit so manchen Schuss nicht gehört oder will ihn nicht hören. Dem ist dann auch offensichtlich nicht mehr zu helfen.

Der notwendige Strukturwandel kann nur aus der Region und von den Lausitzern selber kommen. Politik kann nur Rahmenbedingungen schaffen.

Und diese Rahmenbedingungen lautstark einzufordern, sollten sich die Kumpel und ihre Familien, die jungen Leute von Ende Gelände und die Lausitzer gemeinsam zum Ziel machen, und das ziemlich schnell, denn 30 wertvolle Jahre sind schon unwiederbringlich verplempert worden.

Mein herzlicher Dank geht bei der Gelegeheit ausdrücklich an den LEAG-Vorstand Helmar Rendez, der sich mit deutlichen Worten gegen die parteipolitische Instrumentalisierung der Anti-Kohle-Proteste durch die AfD gewandt hat.
Frank Heiber, Forst (Lausitz)