E-Mobilität braucht viel Strom
Die von Prof. Schwarz aufgezeigte nicht gesicherte Leistung in der Stromerzeugung von 15 bis 20 Gigawatt unter der Höchstlast im Jahr 2022 wird besonders kritisch, wenn man die geplante erhöhte E-Mobilität und die so oft erwähnte verstärkte Digitalisierung der gesamten Gesellschaft dagegensetzt. Netzstabilität und frequenzstabile Strombereitstellung werden sicher nicht durchgängig zu sichern sein, und auch die Verlässlichkeit von Stromimporten aus dem europäischen Netz sind unter bestimmten Bedingungen nur schwer sicherbar.
Hinzu kommt, dass nach dem Atomausstieg, dem Steinkohleausstieg und dem Ende der Braunkohleverstromung nahezu alle anderen Energierohstoffe importiert werden müssen. Dass globale Lieferketten fragil sind, hat Deutschland während der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Es sind also Sachverstand, Sachlichkeit und Augenmaß bei der Diskussion um die Energieversorgung dringend geboten.
Gerd Rückert, Senftenberg

Es gibt viele Alternativen

Herr Hennig hat sehr gut dargelegt, was der Ausstieg aus Kohle und Atomkraft bedeutet, wenn es keine Festlegungen zum Ersatz der ausfallenden Menge an Elektro-Energie gibt. Dabei hat er noch nicht einmal erwähnt, dass parallel dazu ein erheblicher Mehrverbrauch an E-Energie durch den mit Steuergeld geförderten E-Mobileinsatz beschlossen wurde.
Ich bin Kohle-Gegner, weil durch den Braunkohle-Tagebau schon zu viel Natur in unserer Region vernichtet und die Klima-Entwicklung durch Reduzierung der Co2-Emission bisher unzureichend beeinflusst wurden. Für mich ergibt sich allerdings ein Problem, ich verstehe unsere Spitzenpolitiker nicht mehr. Sie verfügen sicher über gute Fachberater, und ich neige nicht dazu, ihnen fehlendes Denkvermögen zu unterstellen. Die von Herrn Hennig dargelegten Zusammenhänge sind auch für Nichtfachkräfte gut zu verstehen.
Es gibt viele Möglichkeiten zur Gestaltung der Energiewende: flexible Gaskraftwerke mit geringerem CO2-Ausstoß, die keinen Tagebau mit Grundwasserabsenkung benötigen und variabel einsetzbar sind. Für sie müssen auch keine kleinen Waldseen im Schlaubetal trocken gelegt und keine Wälder mehr abgeholzt werden. 65 Prozent der bisher durch Braunkohlentagebaue in Anspruch genommenen Flächen in unserer Region waren Wälder.
Weitere Möglichkeiten zur Energiewende wären: Atomkraftwerke mit hoher Sicherheit und geringem Abfall, Kraftwerke, die durch Kernfusion Energie nutzbar machen sowie Fahrzeuge und Schiffe mit Verbrenner für Wasserstoff und Autogas, bei denen Wasser aus Auspuff oder Schornstein kommt.
Die Speicherung von Elektro-Energie in Batterien hat keine Zukunft. Die mögliche Speicherung in Pumpspeicherwerken ist von der Menge her unbedeutend. Deshalb ist die Speicherung von Energieträgern wie Wasserstoff oder Gas mit Wasserstoff, wie Methanol, von besonderer Bedeutung, wenn man eine CO2-Neutraliität erreichen will.
In einem Punkt stimme ich dem Gastkommentar nicht zu. Nicht nur unsere Urenkel werden mit hohen Energiepreisen leben müssen, auch heute schon machen Steuern hohe Energiepreise. Harald Nickel, Guben
Naturgesetze nicht ignorieren
Ich habe die Gastkommentare sehr aufmerksam gelesen. Sie beziehen sich auf Gesetzmäßigkeiten der Mathematik, Physik und Naturgesetze. Ich verstehe nicht, dass man diese ignorieren kann. Bei der Haltung zum sofortigen Ausstieg aus Atomenergie und der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen fehlen mir Lösungsvorschläge – keine Fantasien –, die ebenfalls die Gesetzmäßigkeiten der Naturwissenschaften berücksichtigen und das CO²-Problem als globales Problem betrachten. Zu berücksichtigen wäre dabei, dass unser gewohnter Lebensstandard erhalten bleibt und dieser auch anderen Völkern dieser Welt zu gönnen ist. Es ist an der Zeit, dass sich die Befürworter für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und aus der Nutzung fossiler Rohstoffe zu Wort melden. Natürlich unter Berücksichtigung der oben genannten Grundlagen und der geltenden Gesetze in Deutschland.
Siegmund Wussogk, Cottbus